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Layout im Wandel der Zeit

Markus Keller zu den Veränderungen eines Berufsbildes

Von Christopher Schipprack

Markus Keller arbeitet seit 25 Jahren als Layouter und Grafiker im Bereich Zeitschriften- und Zeitungsgestaltung.


Foto: Markus Keller
Foto: Markus Keller

Bitte beschreiben Sie kurz die Tätigkeit des Layouters.

Layout bezeichnet in seiner ursprünglichen Bedeutung nur die Anordnung der einzelnen Texte und Grafiken auf den Seiten einer Drucksache. Im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich ist hierfür in der Regel ein Gestaltungsraster mit Spaltenaufteilung und festen Elementen wie Kopfleisten vorgegeben.

Wenn Sie an die früheren Jahre zurückdenken, welche Produktionsabläufe bei der Zeitungsgestaltung gab es damals, die es heute nicht mehr gibt?

Früher gab es viel mehr Arbeitsteilung zwischen Setzern, Litho-/Reprografen, Gestaltern und Druckformherstellern. Erst wurde gesetzt und Korrektur gelesen, dann wurden die fertig gesetzten Fahnen an den Gestalter weitergegeben. Dieser legte dann die Bildgrößen fest, so dass in der Repro die Bilder für den Druck aufbereitet werden konnten. Am Ende wurden Text und Bild nach den Vorgaben des Gestalters in der Repromontage zusammengebaut. Diese Arbeitsteilung gibt es heute kaum noch. Texte und Bilder werden meist vom Kunden digital geliefert. Alle Aufgaben, die früher ein Setzer erledigte, übernimmt heute der Gestalter. Dazu kommt noch der Bereich Bildbearbeitung. Lediglich für Bildmontagen und komplizierte Bildretuschen werden Spezialisten benötigt. Heutzutage liefert der Gestalter oft die komplett druckfertig aufbereitete Seite ab.

Welches waren die großen Neuerungen im Bereich Grafik/Layout, die das digitale Zeitalter mit sich brachte?

Früher im Bleisatz mussten Schrift, Schriftgröße, Satzbreite und Zeilenabstand vor dem Satz festgelegt werden. Jede Änderung bedeutete, von vorne anzufangen. Ähnlich war es mit den Bildern, auch hier musste früher bei jeder Größenänderung eine neue Aufnahme oder ein neuer Scan gemacht werden. Arbeiten, wie sie heute jeder ambitionierte Laie am PC machen kann, waren früher nicht oder nur mit immensen Kosten zu realisieren. Früher wurden erst einmal Layoutskizzen angefertigt, danach dann Text und Bilder vorbereitet und dann schließlich die Detailarbeit gemacht. Jeder Fehler war zeitaufwändig und teuer. Heute können Text und Bilder mit wenig Aufwand immer wieder modifiziert werden.

Mit welchen Rechnertypen und Systemen arbeitete man damals?

Satzanlagen waren geschlossene Systeme: Soft- und Hardware bildeten eine Einheit. Anbieter waren zum Beispiel Linotype oder Berthold. Schwarz-Weiß-Bilder wurden mit der Reprokamera auf Filme belichtet, farbige Bilder auf teuren Trommelscannern von Hell oder Dainippon.

Welches sind heutzutage die Arbeitsmittel des Layouters?

Heute benötigt man einen PC mit angeschlossenem Flachbettscanner, eine Digitalkamera sowie Software für Layout und Bildbearbeitung. Texte und Tabellen werden in den gängigen Office-Programmen erstellt und anschließend in Layout-Programmen in Form gebracht. Für hochwertige Drucke braucht man außerdem einen farbverbindlichen Drucker. Ganz wichtig ist natürlich ein schneller Internetzugang, um die teilweise enorm großen Datenmengen zu verschicken. Mit dieser Ausstattung hat man alles, um Drucksachen aller Art komplett zu produzieren.

Welches sind die Vor- und Nachteile der neuen Technologien?

Dank der neuen Technologien ist die Herstellung von druckfertigen Daten heute für fast jedermann möglich und auch bezahlbar. Die gestalterischen Möglichkeiten sind um ein Vielfaches größer als früher. Außerdem werden weniger Ressourcen in Form von Montage- und Maskierfolien, Filmen und Chemikalien benötigt, was die Herstellung wesentlich billiger macht. Nostalgiker mögen bedauern, dass durch den Einsatz von PCs und günstiger Software hochbezahlte Spezialisten teilweise durch Praktikanten ersetzt werden. Diese Entwicklung ist allerdings wohl eher ein gesellschaftspolitisches Problem als ein branchenspezifisches und daher nicht der technischen Entwicklung anzulasten.

Wie sehen Sie die Zukunft für den Beruf des Grafikers/Layouters?

Das Aufgabenfeld ist wesentlich größer und komplexer geworden. Der kreative Anteil der Arbeit ist geringer als früher. Dafür werden die Anforderungen immer größer: Gelieferte Daten müssen auf ihre Verwertbarkeit geprüft und bearbeitet werden, das Endprodukt muss sowohl für den Druck als auch für das Internet bereit gestellt werden und so weiter.

Um den Kundenanforderungen gerecht zu werden, ist man gezwungen, sich ständig neue Softwareversionen anzuschaffen. Letztendlich bleibt die Verantwortung für die Druckfähigkeit der abgelieferten Daten fast ausschließlich beim Gestalter. Mit einer fundierten technischen Ausbildung und dienstleistungsorientiertem Denken hat man in diesem Berufsfeld gute Chancen. Dabei darf man sich aber nicht auf den Print-Bereich beschränken. Heute muss man auch das Internet und zukünftige Entwicklungen einbeziehen.

Mittlerweile ist in diesem Beruf technisch nichts mehr so, wie es vor 25 Jahren war. Und in weiteren 25 Jahren wird sich sicherlich wieder alles geändert haben. An Sinn und Zweck der Arbeit des Layouters, Informationen gestalterisch so aufzubereiten, dass sie gerne gelesen oder betrachtet werden, hat sich aber bis heute nichts geändert.