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Die Bezeichnung der Schriftgröße Cicero

Von Christopher Schipprack
In den Anfangszeiten des Buchdrucks war die Entscheidung für festgelegte Größen der Druckbuchstaben technisch begründet. Eine der ersten definierten Druckmaße war die Bestimmung der 12-Punkt Cicero-Schrift. Heute ist nicht mehr eindeutig nachzuvollziehen, auf wen diese Bezeichnung zurück geht. So gab es im Jahr 1465 den Buchdrucker Peter Schöffer, der eine Ausgabe der Werke von Marcus Tullius Cicero in einer ähnlichen Größe druckte. Als Namensstifter wird aber auch der Schriftschneider Ulrich Hans Cicero genannt, der im 15. Jahrhundert in Rom eine Schrift in 12-Punkt-Größe geschaffen hat. Auf jeden Fall ist Cicero eine der bekanntesten und ältesten Größen. Sie entspricht einem mittleren Schriftgrad.

Vom typografischen Punkt zur Layoutsoftware

Im Jahr 1790 beschloss der französische Nationalkonvent eine Erneuerung des staatlichen Messwesens. Von dieser Reform war auch das Punkte-System betroffen, das die Schriftgrößen definierte. Als Maßeinheit für die Schriftgrade galt bis dato der “point typographique” des Pariser Typografen P.S. Fournier le Jeune (1712-68). Im Rahmen der Reform wurde der typografische Punkt dem damals in Frankreich geltenden Landesmaß “Pied de roi” (Königsfuß) angeglichen und auf die Größe 0,376065 mm festgelegt. Der französische Typograf F.A. Didot und sein Sohn Firmin gingen mit ihrer neuen Definition des Didot-Punktes in die Geschichte der Typografie ein. Das Didot-Punktsystem löste in Westeuropa das Fournier-Punktsystem ab. Lange Zeit galt in Europa Didots Punkt als kleinste typografische Maßeinheit. Im Jahre 1879 wurde die Größe von dem deutschen Typografen Hermann Berthold und Wilhelm Foerster auf 0,376 mm abgerundet. Der Schriftgrad Cicero entspricht damit 12 x 0,376 mm=4,512 mm oder 0.177 638 inches.

Der Pica-Point

Die Erfindung der Linotype-Zeilengussmaschine von Ottmar Mergenthaler im Jahr 1884 löste eine technische Revolution im Drucksatz aus. Mit dem Einzug dieser neuen Technik kam die amerikanische Maßeinheit Pica-Point nach Westeuropa. Ein Pica-Point entspricht 0,35277 mm und ist um 0,025 mm kleiner als der Didot-Punkt.

Der DTP-Punkt

1985 setzte der Hersteller für Schriftsatzsoftware Adobe-Systems mit einer speziellen Seitenbeschreibungssprache (Page Description Language) und dem sogenannten DTP-Punkt neue Maßstäbe. DTP kommt von Desktop Publishing. Dieser Punkt ist 0,352 mm groß und wird heute hauptsächlich im IT-Bereich verwendet.

Im Laufe der Geschichte hat es verschiedene Systeme zur Bemessung von Drucksachen gegeben. Ein Durchschnittsleser bewältigt Schriftgrößen mit dem Grad 9-12 Punkt mühelos, daher spricht man auch von einer “Lesegröße”. Bei einer 14-Punkt-Größe spricht man schon von einer “Schaugröße”. Die unterschiedlichen Schriftgrößen erfüllen also ganz unterschiedliche Zwecke. Ziel und Zweck der Typografie ist es, Inhalt und Absicht eines Werkes zu verdeutlichen, indem sie die Schrift an die Bedürfnisse des Lesers anpasst.

Weblinks:

Typografie
Linotype-Setzmaschine