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Schrift als Orientierungshilfe für den Leser

Von Eva Sylvia Klimt
Foto: Schrift als optische Orientierungshilfe
Optisch wird die Zeitungsseite nicht nur durch Fotos gegliedert, sondern auch wesentlich durch Schriftarten und Schriftgrößen. Foto: Cornelia Neumann

Schrift ist für den Zeitungsleser nicht allein eine Ansammlung von Zeichen, die Textinhalt transportieren. Schriftart und Schriftgröße geben dem Nutzer Orientierungshilfen innerhalb der Zeitung. Sie helfen, im Inhalt zu navigieren. Bei der Schriftgröße spricht man auch vom Schriftgrad.

Die Wahl der Schriftart ist ein wichtiges Merkmal oder Markenzeichen einer Zeitung; sie vermittelt Corporate Identity. Der regelmäßige Leser und Abonnent schätzt die Charakteristika seiner Zeitung und sucht in verstärktem Maße den Wiedererkennungswert.

Jedem Ressort seine Schrift

In den “Büchern” der verschiedenen Ressorts werden in vielen Tageszeitungen für die Titel unterschiedliche Schriftarten verwendet, die jeweils das Ressort kennzeichnen. Bücher nennt man in der Zeitung die einzelnen Lagen, die den Ressorts zugeordnet sind. In der Regel sind dies Außen- und Innenpolitik, Meinung, Vermischte Weltnachrichten im ersten Buch. Landespolitik, Regionales und Lokales bilden ein weiteres Buch, ebenso Leserzuschriften, Feuilleton/Kultur und Fernsehen/Medien. Die Wirtschaft füllt in seriösen Blättern oft eine eigene Lage; fast immer tut dies auch der Sport. Society, Service, Rätsel und aktuelle Veranstaltungstipps folgen, dazu besondere Themenseiten im täglichen Wechsel. Zu letzteren zählen Reise, Freizeit, Gesundheit, Tiere.

Vor allem Kultur, Meinung und Sport heben sich von den Nachrichtenseiten der Zeitungen oft durch die Verwendung anderer Schriftarten ab. So haben zum Beispiel nachrichtliche Meldungen und Berichte halbfette Titelzeilen und Untertitel. Der Hauptartikel einer Seite, im Fachjargon Aufmacher oder Headline genannt, trägt als erste Information zusätzlich eine Kopf- oder Dachzeile. Diese fasst den Inhalt zusammen. Meinungsartikel der Journalisten heben sich für den Leser auf den ersten Blick durch Schriftart und andere grafische Gestaltungsmerkmale hervor. Der Schriftschnitt, das heißt die Schriftauszeichnung des Titels, ist dann in der Regel mager, die Schriftfamilie zum Beispiel Times. Der Name des Autors wird mit Vor- und Zunamen ausgeschrieben, nicht abgekürzt.

Optische Trennung von Nachricht und Meinung

Oft ist ein Kommentar, eine Meinungsäußerung des Autors, zusätzlich durch einen grafischen Rahmen optisch gekennzeichnet. Für die Redaktion gilt: Nachricht und Meinung sind strikt zu trennen. Dies wird dem Leser durch die Wahl der Schriftart und durch Layout-Merkmale auf einen Blick signalisiert. Durch den besonderen Schriftcharakter werden oft auch Kulturartikel, Reise- und Freizeitthemen sowie die Serviceseiten herausgestellt. Gerade in wertenden Kulturberichten, den Rezensionen, vertritt der Autor ja seine begründete Meinung.

Einige große Tages- und Wochenzeitungen in Deutschland gehen so weit, auch Wirtschaft und Sport sowie Hintergrundthemen und Wissensseiten optisch von anderen Büchern zu trennen. Dies geschieht durch die Wahl einer anderen Schriftart. So werden sie abgegrenzt von Welt-, Landes- und Lokalnachrichten sowie von Reportagen. Wirtschaft und Sport können magere Untertitel tragen; bei Wissenschaftsseiten wird manchmal ein Schriftcharakter wie in der Kultur verwendet, und bei Hintergrundthemen magere gerade Schrift. Einerseits verleiht dies den einzelnen Ressorts und Büchern in der Zeitung einen jeweils unverwechselbaren Charakter und Eigenständigkeit. Andererseits signalisiert die typische Optik dem Leser den Charakter und thematischen Inhalt eines Artikels. Der regelmäßige Zeitungsnutzer fühlt sich in seiner Zeitung auf eine Art zu Hause und findet bevorzugte Themen auf den ersten Blick.

Schriftgröße und Titel

Die Schriftgröße in der Zeitung, auch Schriftgrad genannt, dient zur Unterscheidung der verschiedenen Titel: Kopfzeile, Hauptzeile, Unterzeile. Und sie trennt optisch die Bestandteile Titel oder Schlagzeile, Vorspann und Bericht oder Meldung. Vorspänne sind die Zusammenfassungen oder Leads, die am Beginn eines längeren Berichts in diesen hineinziehen sollen. Oft ist ihre Schrift einen Grad größer als der nachfolgende Bericht. Spezialnachrichten für einen kleineren Leserkreis werden in der Regel in einer kleineren als der normalen Lese-Schriftgröße veröffentlicht. Dazu zählen Börsenkurse und Handelsregister, Sportergebnisse, Gewinnzahlen und Gewinnquoten.

Serifen- und serifenlose Schrift

Für die Wahl von Schriftgröße und Schriftart gilt: Der Inhalt muss leseleicht transportiert werden, auch für Leserkreise wie Senioren und Brillenträger. Gerade in unserer Zeit der Medien- und Informationsflut sind die Augen oft stark strapaziert. Sei es die lange Verweildauer vor dem Computerbildschirm, im Beruf und in der Freizeit: Die Aufnahmebereitschaft für längere Texte sinkt. Zeitungen sind also gut beraten, in der Wahl von Schriftart und Schriftgröße auf die Lesbarkeit erhöhtes Augenmerk zu verwenden. Man unterscheidet serifenlose und Serifenschrift. Serifenlose Schrift wird im Internet bevorzugt, da sie als optisch leichter zu erfassen gilt. An den Schnörkeln der Serifenschrift bleibt der Blick hängen. Das hilft im Printmedium, in der Zeile zu bleiben. Die Schriftgröße ist angesichts des wachsenden Lesepensums eher größer zu wählen als noch vor wenigen Dekaden. Gerade Schriften sind generell leichter lesbar als kursive oder gefettete. Und nach wie vor gilt: Schwarz auf Weiß liest sich am besten, viel besser als farbig Unterlegtes.

Spaltenbreite und Lesbarkeit

Ein Kriterium für leichte Lesbarkeit und schnelles Erfassen von Inhalten ist auch die Breite der Textspalten. Generell sind sehr schmale ebenso wie breite Spalten für das Auge des Lesers schwer zu erfassen. In vielen Tageszeitungen haben sich daher sieben Spalten je Seite mit einer Spaltenbreite von durchschnittlich 22 bis 39 Anschlägen durchgesetzt und bewährt. Das ist wesentlich schmaler als im Buchdruck, selbst im Taschenbuchformat. Abhängig ist die Spaltenbreite in der Zeitung vom Format, der Größe der Zeitungsseite. Generell haben Boulevardzeitungen ein kleineres Seitenformat als Abonnementszeitungen. Große Formate (Broadsheets) liest man weniger unterwegs, sondern in Ruhe zu Hause am Tisch. Aus diesem Grund wurde zusätzlich das Tabloid-Format eingeführt. Boulevardzeitungen und Kaufzeitungen leben von großen und fetten Schlagzeilen, die bereits auf Straßendistanz optischen Leseanreiz bieten. Sie vermitteln Inhalte auf den ersten Blick. So schüren sie die Neugier und laden zum Kauf des Blatts ein.

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