Zum Kapitel: Alles Pixel? Zeitungsalltag im 21. Jahrhundert

Vom Broadsheet zum Tabloid,
vom Redakteur zum Allrounder


Von Cornelia Neumann
Das vergangene Jahrzehnt brachte vielfältige Änderungen für Zeitungsmacher und Zeitungsleser. Es änderten sich der Lesergeschmack und die Berufsbilder von Journalisten, Setzern und Druckern. Dies zeigte sich nicht zuletzt an der Zeitungskrise zum Millennium, die vom Durchbruch des Internets verursacht wurde. Die wichtigsten Einnahmequellen der Zeitungen brachen weg: die Anzeigenmärkte, vor allem Immobilien, Autos und Stellenanzeigen. Eine tiefgreifende Krise des internationalen Zeitungswesens folgte. Viele Verlage reagierten darauf, indem sie einerseits Stellen abbauten, sich andererseits selbst verstärkt im Internet präsentierten und sogar eigenständige Online-Redaktionen einrichteten.

Online is King ...

Seitdem gibt es parallele Entwicklungen: Teil-Inhalte der Print-Ausgabe werden eins zu eins ins Internet gestellt oder angerissen und in der Printversion fortgeführt. Aber Online-Redaktionen gestalten ihre Inhalte auch zunehmend unabhängig vom “Muttermedium”. Dabei bedienen sie sich neuer Kommunikationstechniken wie Bildergalerien, Podcasts, Videofilme, Blogs, Abstimmungsmodule und anderer interaktiver Elemente. In den meisten Zeitungsredaktionen gilt mittlerweile “online first”: Neuigkeiten werden zuerst ins Internet gestellt, bevor sie gedruckt erscheinen. Viele Zeitungsverlage investieren inzwischen große Summen in die Entwicklung neuer Online-Angebote, so dass manche Beobachter sogar das Ende der gedruckten Zeitung befürchten.

... Format is Queen

In Wechselwirkung mit dieser Entwicklung hin zum Parallelangebot im Netz verändern sich auch Aussehen und inhaltliche Schwerpunkte der gedruckten Zeitungen. Artikel werden zunehmend mit (Farb-) Fotos und Infografiken bebildert, viele Leser konstatieren (und beklagen) zunehmend seichtere, boulevardeske Themen und verkürzte Inhalte. In den vergangenen Jahren wurden auch die klassischen Zeitungsformate in Frage gestellt und aus großformatigen Broadsheets handliche Tabloids entwickelt. In Deutschland waren das etwa die “Frankfurter Rundschau” (FR) und “Welt kompakt”, in Großbritannien zum Beispiel “The Independent” und “The Guardian”. Bei einigen Zeitungen veränderte sich der Inhalt (“Welt kompakt” bietet Auszüge der großen “Welt”), andere änderten nur das Format, um sich neue Leserkreise zu erschließen beziehungsweise um attraktiv und gut nutzbar, das heißt handlich zu bleiben, wie die “Frankfurter Rundschau”. Die Diskussion um die Zukunft und die veränderten inhaltlichen Schwerpunkte der Zeitung dauert an. Viele Print-Redakteure vertreten die Meinung, dass die gedruckte Zeitung das Medium für Lokalnachrichten und Hintergrundinformationen bleiben wird. Das Internet hingegen werde vor allem schnelle News und überregionale Nachrichten vermitteln.

... und der Redakteur kann alles

Christoph Nitz beschreibt in dem Kapitel “Alles Pixel?”, wie sich in den letzten Jahren das Berufsbild des Redakteurs verändert hat. War er früher vor allem für Recherche, Schreiben und Bearbeiten des Artikels verantwortlich, so muss er heute auch professionell mit Content Management Systemen (CMS) und Grafikprogrammen umgehen, Texte am Bildschirm umbrechen, in manchen Redaktionen sogar fotografieren und die Bilder bis zur Druckreife am PC bearbeiten.

Mehr zu diesem Thema in folgendem Artikel:

Zeigen Pressefotos die reine Wirklichkeit?

Weblinks:

Rieplsches Gesetz
Boulevardzeitung
Zeitungsformate
Newspaper Award
Society for News Design