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Farbe hilft verkaufen

Von Eva Sylvia Klimt
Die Verwendung von Farbe hat in der Zeitungsgestaltung sehr an Bedeutung gewonnen. Dies ist geschehen mit der Durchsetzung von Desktop-Publishing (DTP) auf breiter Front und der deutlichen Preissenkung für den Vierfarbendruck. Vor allem Boulevardblätter setzen auf die Signalwirkung der Farbe. Aber auch Abonnementszeitungen sparen sie nicht mehr aus. Möglich wurde dies nicht zuletzt durch eine deutliche Verbesserung der Qualität von Zeitungspapier. Auch der Recyclingpapiere, die ihre Marktanteile erhöht haben. Früher war die Farbgestaltung weitgehend auf Hochglanz-Magazine, Kataloge und Werbeprospekte beschränkt, die mehrfach gestrichene hochwertige und damit teure Papiere verwenden. Teuer sind diese übrigens auch im Recycling. Mit der modernen Entwicklung des Desktop-Publishing und des Zeitungsdrucks hielt der Vierfarbendruck sowohl in Werbeanzeigen als auch in der Gestaltung des Seitenlayouts und selbst in der aufwändigen Wiedergabe von Fotos Einzug.

Es muss nicht immer Farbe sein

Verwendung findet Farbe in der grafischen Gestaltung des redaktionellen Teils einer Zeitung heute auf verschiedene Art: sowohl als farbige Überschrift oder Farblinie als auch als Farbunterlegung eines damit hervorgehobenen Textes. Fotos werden mittlerweile sowohl wie bisher in Schwarz-Weiß als auch in Farbe gedruckt. Dazu muss man sagen, dass ein guter Fotograf gern Schwarz-Weiß wählt: Mit der Kontrastzeichnung von Licht und Schatten kann er lebendigere und künstlerisch wertvolle Bilder voll Tiefenschärfe gestalten. Ein vordergründig plakatives Farbfoto dagegen kann in den Kontrasten flach sein.

Auch seriöse Blätter setzen auf Farbe

Farbe als verkaufsförderndes Argument gilt mittlerweile nicht nur für Boulevardblätter, sondern auch für seriöse Zeitungen. Bei inflationärem Gebrauch des Gestaltungselements Farbe tritt jedoch die gegenteilige Wirkung ein. Dies haben Studien und Umfragen ergeben. Gerade die traditions- und qualitätsbewussten Leser seriöser Tages- und Wochenzeitungen goutieren ein ruhiges optisches Erscheinungsbild ihres Periodikums. Akzeptiert werden: der zurückhaltende Einsatz von Farbe zur Unterstreichung, die farbige Hervorhebung eines Seitenbildes, die farbige Kenntlichmachung eines Service-Artikels oder Farbe als Auffindungshilfe einer festen Rubrik auf wechselnden Plätzen. Dabei scheint es wissenschaftlichen Erhebungen zufolge keine schädliche Konkurrenz zu geben bei gleichzeitiger Platzierung von Vierfarb-Anzeigen und redaktionellen Farbfotos, farbig hervorgehobenen Textpassagen oder Headlines auf ein und derselben Seite. Das ästhetische Empfinden vieler Leser von niveauvollen Tageszeitungen wird jedoch durch viel Farbe eher gestört. Michael Meissner zitiert Edmund Arnold mit der Feststellung: “Wenn eine Seite nicht in Schwarz-Weiß gut ist, dann ist sie es auch in Farbe nicht.” Anders ausgedrückt heißt das: Der Inhalt dominiert im Idealfall immer noch die optische Gestaltung. Umgekehrt hilft bei schlecht recherchierten und oberflächlich geschriebenen Artikeln die Signalwirkung von Farbe nicht, um die Qualität zu verbessern.