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Diese Seite: Interviews » Interview mit Volker Lange
Wissenschaftsjournalismus im World Wide Web
Leser sind freie Kost gewöhnt

Herr Lange, Sie stellen Ihr Online-Magazin "Morgenwelt" gratis zur Verfügung. Warum? Eine gedruckte Zeitung kostet schließlich auch Geld. Liest das sonst keiner?

Volker Lange: Leider nicht. Gerade im Internet haben sich die Leser in den letzten Jahren daran gewöhnt, alles kostenlos zu bekommen. Selbst große Verlagshäuser sind mit dem Versuch gescheitert, Geld für ihren Online-Auftritt zu verlangen. Es gibt nur wenige Anbieter, die für ihre Inhalte Geld verlangen können. Börsendienste zum Beispiel. Zur Refinanzierung bleibt also nur die Werbung.

Wie hoch ist die "Auflage" Ihres Online- Magazins, respektive wie viele Zugriffe zählen Sie?

Volker Lange: Wir haben etwa 200.000 Besuche im Monat, die etwa 800.000 Seiten aufrufen. Allerdings werden dabei auch all die Seiten mitgezählt, die von Suchmaschinen direkt gefunden werden. Im Laufe von zehn Jahren kommt ja einiges im Archiv zusammen.

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Wissen Sie, wer Ihre Leser sind? Oder haben Sie Vermutungen?

Volker Lange: Wir haben selbst einmal eine Leserumfrage gemacht. Die meisten Leser sind männlich, zwischen 20 und 30 Jahren, haben Abitur und sind berufstätig. Studenten sind erstaunlicherweise gar nicht so häufig vertreten. Die zweite große Lesergruppe ist zwischen 40 und 50 Jahre alt und besteht aus Akademikern. Der Rest sind einfach Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufen, deren einzige Gemeinsamkeit das Interesse für Naturwissenschaften ist.

Sie betreiben das Projekt seit 1996. Abgesehen vom "großen Crash", was können Sie sonst über Schwankungen beispielsweise hinsichtlich Leserverhalten oder allgemeinem Interesse sagen?

Volker Lange: Da hat sich wenig geändert. Eigentlich sind uns die Leser treu geblieben. Und es kommen kontinuierlich neue dazu. Die einzige Auffälligkeiten sind saisonale Schwankungen. Man merkt deutlich, wenn das Wetter zu schön ist, um die Zeit vor dem Computer zu verbringen.

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Handelt es sich bei Ihrem Magazin um Unterhaltung oder eher um Aufklärung?

Volker Lange: Eigentlich beides. Wir wenden uns an Menschen, die sich durch Informationen unterhalten lassen. Und diese Informationen sollen möglichst sachlich und neutral sein. Insofern fühlt sich "Morgenwelt" eher dem angelsächsischen Journalismus verbunden. Wir wollen unseren Lesern nicht vorschreiben oder nahe legen, wie sie etwas bewerten sollen. Wir möchten ihnen die Informationen an die Hand geben, damit sie sich selbst ein Bild machen. Wenn das unterhaltsam ist, um so besser.

Übernehmen Sie mit Ihren Inhalten auch zunehmend Öffentlichkeitsarbeit für Institute und Organisationen?

Volker Lange: Wir unterscheiden klar zwischen journalistischer Arbeit und Öffentlichkeitsarbeit oder PR. So etwas hat in Morgenwelt keinen Platz. Allerdings stellen wir Instituten oder Organisationen ein interessantes Umfeld zur Verfügung, in dem sie selbst für sich werben können. Und das lassen wir uns natürlich bezahlen. So gibt es gegenwärtig das Alumni-Magazin der FU-Berlin auf unserem Server. Und das ist natürlich Öffentlichkeitsarbeit, die aber auch deutlich gekennzeichnet ist. Die Leser wissen also immer, woher die Texte stammen.

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Die Fragen stellte Jens A. Funk