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Wirtschaftsjournalismus


Wirtschaft für alle

Moderner Wirtschaftsjournalismus muss möglichst viele Menschen ansprechen – und dabei seine Unabhängigkeit wahren

Trocken, elitär und schwer verständlich - so wirken häufig immer noch die Geschehnisse in der Welt der Wirtschaft auf die meisten Menschen. Die Medien tun bisher zu wenig dafür, diesen Missstand zu ändern: Ihre Berichte sind oft voller Zahlensalat, strotzen vor Fachchinesisch und weisen nicht selten einen Hauch von Verlautbarung auf. Wirtschaftsjournalismus scheint meist immer noch eine exklusive Übung von Experten für Experten zu sein.

Dabei betreffen Wirtschaftsthemen die Menschen heute viel direkter und fühlbarer als noch vor ein paar Jahren - sei es in Form von stark schwankenden Aktienkursen, drohendem Arbeitsplatzabbau oder dem enormen Effizienzdruck, den sich die Unternehmen im Zeichen globalen Wettbewerbs ausgesetzt sehen. Der Wirtschaftsjournalismus hat zwar in einem ersten Schritt darauf reagiert: Er ist heute bemühter, allgemein verständlich mit seinen Konsumenten zu reden. Dies reicht aber noch längst nicht aus. Ein moderner Wirtschaftsjournalismus sollte Sachverhalte noch stärker erklären, vor allem aber auch dolmetschen: Was bedeutet dies oder das konkret für den Einzelnen? Diese Übersetzungsarbeit leisten Wirtschaftsjournalisten noch viel zu selten.

Nicht nur die Medienkonsumenten, auch die Wirtschaftsjournalisten haben zu kämpfen. Die meist enge, stetig schrumpfende Personaldecke, mit der Redaktionen auskommen müssen, lässt den Journalisten immer weniger Zeit für eigenständige und unabhängige Recherchen. Allein schon zahlenmäßig sehen sie sich in wachsender Unterlegenheit gegenüber den Public-Relations-Abteilungen der Unternehmen, Verbände und Parteien. Die PR imitiert in ihren Produkten - ob Pressemitteilung oder Hintergrundmaterial - heute oft schon täuschend echt einen journalistischen Duktus. Da liegt die Versuchung nahe, zumindest die eine oder andere Passage einfach mal abzuschreiben.

Sicher, die Zusammenarbeit mit Pressesprechern und PR-Agenturen kann grundsätzlich fruchtbar sein. Nur sollte der Journalist darüber nie vergessen, dass die PR ein klares Ziel verfolgt: Und zwar ihren Auftraggeber stets im schönsten Licht erscheinen zu lassen. Die Aufgabe des Journalisten besteht hingegen darin, über Fakten und Zusammenhänge zu informieren - und diese kritisch zu hinterfragen. Selbst wenn Wirtschaftsjournalisten nur vorwiegend Termine wie Pressekonferenzen oder Messen wahrnehmen können, so sind auch sie imstande, unabhängig zu recherchieren und originelle, mindestens jedoch fundierte Ergebnisse hervorzubringen.

Wie dies funktionieren kann und wie ein lebendiger und zugleich doch niveauvoller Wirtschaftsjournalismus auch die Allgemeinheit anspricht, zeigt das Buch "Wirtschaftsjournalismus".


Dr. Lutz Frühbrodt

Autor:
Lutz Frühbrodt
Text und Gestaltung:
Sonia Grimm, Sigrid Fiebig,
Michael Böhm
Technische Umsetzung:
Sonia Grimm
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