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Für und Wider von Pressereisen: In die Zwickmühle geraten Redaktionen immer wieder bei so genannten Pressereisen – also bei Touren, die ein Berichtsobjekt für Journalisten organisiert, meist als Rundum-Sorglos-Paket. Denn die Reiseetats vieler Medien erlauben es nicht, dass ein Redakteur zum Beispiel eine mehrtägige Reise ins Ausland unternimmt. Und wer an der Pressereise nicht teilnimmt, dem entgeht möglicherweise eine gute Geschichte. Vielleicht wird er so künftig von wichtigen Informationen abgeschnitten. Denn Pressereisen intensivieren oft auch Kontakte zum Gastgeber. Andererseits könnten solche Beziehungen auch zu einer gewissen Kumpanei, einer übertriebenen Vertraulichkeit zwischen Journalist und Pressesprecher führen.
Oft eng damit verbunden: Das Unternehmen will sich von seiner besten Seite zeigen, transportiert seine Gäste also in der Business Class, bringt sie in noblen Hotels unter und organisiert zudem ein ansprechendes Freizeitprogramm. Würden die Journalisten diese Reise allein unternehmen, würden sie mit Sicherheit nicht in diesen Genuss kommen. Doch genau der Luxus ist es, der sie in Gefahr bringt, sich gegenüber dem Gastgeber verpflichtet zu fühlen – selbst wenn es nur unbewusst sein mag – und sich so in ihrer Berichterstattung beeinflussen zu lassen.
Messlatte Informationswert: Einige Medienhäuser lassen sich die Reisen, an denen ihre Journalisten teilnehmen, grundsätzlich vom Einladenden in Rechnung stellen und bezahlen diese dann selbst. Viele können sich dies jedoch nicht leisten. Viele aus dieser Gruppe nehmen Einladungen nur dann an, wenn sie den Informationswert der Reise für so hoch halten, dass ein gehaltvoller Bericht daraus entsteht oder sich zum Beispiel wichtige neue Kontakte ergeben.
Beispiel: Dies könnte der Fall sein, wenn der Redakteur einer Regionalzeitung den Wirtschaftsminister seines Bundeslandes bei einer Reise nach China begleitet, wo die neue große Fertigungsstätte des größten Maschinenbauers aus dem Land eingeweiht wird. Zum einen ist das Ereignis wichtig für die Region (Wie steht das Unternehmen künftig zum heimischen Standort? Was tut das Land dafür, um das Unternehmen zu halten? Gehen Arbeitsplätze verloren? etc.). Zum anderen dürfte der Redakteur auf der Reise sicher die Gelegenheit haben, auch einige Beamte aus der Ministerialbürokratie kennen zu lernen. Diese Kontakte lassen sich später für andere Themen nutzen.
Gastgeber kennzeichnen? Der Presserat rät Medien, die über Pressereisen berichten, zu denen sie eingeladen wurden, die Finanzierung entsprechend zu kennzeichnen. Dies sorgt einerseits für Transparenz. Andererseits können solche Hinweise das journalistische Produkt aber auch ungewollt entwerten – insofern nämlich, als ein Teil der Leserschaft den Beitrag von vornherein für PR-gesteuert hält. Ein zweischneidiges Schwert also.
Exklusivität durch selbst organisierte Reisen: Einige Redaktionen nehmen grundsätzlich nicht an Pressereisen teil oder lassen ihre Redakteure nur in Ausnahmefällen mitfahren. Vielmehr planen und organisieren sie ihre Reisen selbst. Der Vorteil dieser Vorgehensweise liegt darin, dass das Medium so eigene Themen setzt und die Gesprächspartner nicht wie bei einer Pressereise mit anderen Journalisten teilen muss. Es entsteht also Exklusivität. Dies setzt allerdings voraus, dass das Berichtsobjekt diese Anfrage auch positiv aufnimmt. Denn das Verhältnis zwischen Organisationsaufwand und publizistischem Effekt (möglichst breite Streuung der Botschaft) ist für die Unternehmen meist günstiger bei Reisen mit mehreren Teilnehmern.
| Autor: Lutz Frühbrodt |
Text und Gestaltung: Sonia Grimm, Sigrid Fiebig, Michael Böhm |
Technische Umsetzung: Sonia Grimm |
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