Wer von sich selbst, der eigenen Firma oder Institution berichtet, dem sollten
Sie
grundsätzlich mit Skepsis begegnen. Warum will der andere, dass etwas
über ihn
oder seine Firma in der Zeitung steht?
Welches Interesse verfolgen Informanten?
Diese Frage müssen sich Journalisten
immer wieder im Lauf von Recherchen stellen. Ganz besonders aber zu Beginn
einer Recherche. Die Freundin, die vom teuren Wundermittel erzählt und
den Arzt,
der die Wundermittel vertreibt, nicht persönlich kennt, wird
ihm nicht einfach nur
übel wollen. Die Informantin, die glaubt, durch
das Wundermittel geheilt zu sein, ist noch weiter vom Verdacht entfernt, dem
Arzt mit Informationen zum Thema schaden zu wollen. Beim Arzt, der erzählt,
der Urologe sei schon immer geldgierig und eingebildet gewesen, muss ich schon
vorsichtiger sein in meiner Bereitschaft, Informationen zu trauen.
Konkurrenzneid ist ein häufiges Motiv für Informanten, die sich vertrauensvoll an Journalisten wenden. Wüsste ich nicht aus anderer Quelle, dass in einem Altenheim Schwestern von einem Bestatter Schmiergelder für die Vermittlung von Bestattungsaufträgen bekommen, dem früheren Mitarbeiter eines Bestatters dürfte ich das so ohne weiteres nicht glauben. Am meisten kann ich mich in der Regel auf Informanten verlassen, die kein erkennbares Interesse an einer möglichen Strafverfolgung desjenigen haben, über den sie belastende Informationen weitergeben.
Enttäuschte Liebe kann auch ein Motiv
sein für Informanten. Erst hatte die Patientin überhaupt
nichts sagen wollen über den Arzt, der ihr das angebliche Wundermittel
organisiert hatte. Doch wenige Wochen später rief sie von sich aus an.
Ein furchtbarer Choleriker sei der Arzt, erzählte sie nun, ein Lügner
und ein kranker Mensch. Nach und nach ist es dann aus ihr heraus gebrochen.
Wie der Arzt sie betrogen habe. Wenn sie sich nach der Einnahme der teuren
Medizin gesünder fühle, dürfe sie Du zu ihm sagen, so habe
der Arzt ihr versprochen. Und tatsächlich sei es ihr besser gegangen.
Nach Feierabend sei der Arzt dann oft zu ihr gekommen und am Wochenende, erzählt
die Patientin. Ja, sie habe tatsächlich geglaubt, er habe aus Liebe gehandelt.
Nun könne sie keinem Menschen mehr trauen, und den Arzt wolle sie so
rasch wie möglich im Gefängnis sitzen sehen.
Die Patientin hatte noch einiges zu erzählen über die teuren Heilmethoden
des Mediziners. Ich habe ihr zugehört, um mir ein Bild zu machen von
der Persönlichkeit des Arztes. Ich habe aber noch andere Patienten befragt,
die weniger persönlich enttäuscht waren als sie, um der Gefahr zu
entgehen, mich beim Schreiben zu sehr von Gefühlen lenken zu lassen.