Stefan Karzauninkat hat Kommunikationsdesign studiert. Er konzipiert und erstellt Websites und ist Herausgeber von www.Suchfibel.de.
Ihre von Ihnen ins Leben gerufene Website www.suchfibel.de ist eine der führenden Sites zur Internet-Recherche. Welche Tipps können sie Recherche-Anfängern mit auf den Weg geben?
Erst nachdenken. Die erste Frage sollte man sich selber stellen. Sie lautet.
Was will ich GENAU und was weiss ich vielleicht schon? Geht es um eine komplizierte
wissenschaftliche Frage, um einen allgemeinen Sachverhalt, oder möchte
man sich in ein Thema umfassend einlesen? Für jede Herangehsweise sollte
man unterschiedliche Strategien wählen?
Für wen ist Seite vorrangig konzipiert?
Für alle, die im Internet Informationen suchen. Das betrifft Profis ebenso wie Leute, die einfach nur Spaß an Wissen haben, ihren Horizont erweitern wollen und das Beste aus diesem Medium mitnehmen möchten, vielleicht sogar aktiv dabei sein und nicht nur konsumieren.
Was macht für Sie "Recherche-Qualität" aus?
Das Finden vieler, sich ergänzender und bestätigender Quellen, interessante Querverweise, und letztendlich auch neue Fragen. Das Spannendste ist, wenn man zu einem Thema eine Fülle von Quellen finden kann, die ganz unterschiedliche Autoren und Ziele haben und sich dennoch zu einem Ganzen ergänzen: Der Wissenschaftler, der Marketingmensch, der Konsument, der Politiker beschreiben eine Sache aus ihrer jeweiligen Sicht, der Rechercheur hat die Möglichkeit, einen Sachverhalt mit all seinen Facetten wiederzugeben.
Was glauben Sie, wie viel Prozent der Journalisten verlassen sich auf eine Google-Suche ohne Erweiterung? Wie viel Recherche-Zeit geht dabei verloren?
Leider verlassen sich zu viele Journalisten auf Google, ohne die Hintergründe und Mechanismen zu kennen, nach denen die Suchergebnisse zusammengestellt werden. Ich habe in Seminaren für Volontäre erfahren müssen, das die einfache und bequeme Möglichkeit, "mal eben" was zu erfahren, zu einer beklemmenden Faulheit bei denen geführt hat, die den Medienrezipienten in naher Zukunft mit Nachrichten versorgen werden. Etwas mehr Skepsis und Neugier über das Googlen hinaus halte ich für elementar.
Ist eine gezielte Suche in Datenbanken, Archiven und Katalogen nicht besser als über Suchmaschinen?
Die Datenbanksuche ergänzt die Suche mit Volltextsuchmaschinen. Bei einer solchen Recherche gelten etwas andere Regeln, die Quellen sind in ihrem Informationsgehalt wesentlich dichter, dafür aber vielleicht nicht so facettenreich. Es kommt darauf an, was das Ziel der Recherche ist - danach kann man seine Vorgehensweise und die Quellen, die man anzapft, abstimmen.
Sie sehen Sie die Entwicklung der Online-PR, die Suchmaschinen austrickst und sich bewusst nach oben katapultiert?
Das ist derzeit noch weniger eine Sache von PR-Profis als vielmehr von Verkaufsprofis. Der Grat zwischen Optimierung und Manipulation von Suchmaschinen ist fließend. Suchmaschinenmanipulation oder "Spam" war seit je her der Motor der Suchmaschinen. Gute, sauber strukturierte Informationen sind viel leichter zu durchsuchen als das Chaos des Internet mit Quellen unterschiedlichster Qualität. Die Qualität einer Suchmaschine macht sich heute mehr denn je daran fest, wie gut sie den Schrott und Spam herausfiltern kann. Für den Nutzer ist Spam lästig und kann sogar gefährlich sein. Ein Grund mehr, sich schlau zu machen, wie man besser recherchiert und wie man Spam schnell erkennt und um ihn herum manöveriert.
Vielen Dank für das Interview