Kapitel 5: Produktion
Mit Mikrofon und Recorder richtig aufnehmen
Von Johannes Marchl
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Das richtige Aufnehmen üben. Machen Sie einige Probeaufnahmen und probieren Sie dabei unterschiedliche Mikros, unterschiedliche Sprechabstände und wechselnde Atmos aus. Am besten, Sie verwenden dazu während der Aufnahmen einen Kopfhörer. Es lohnt sich!
Wenn man diese Sprechproben aufnehmen will, den jeweiligen Mikrofontyp, den Sprechabstand und die Rahmenbedingungen mit aufsprechen:
»Ich spreche jetzt mitten in einem großen Saal, Mikroabstand 20 cm … jetzt gehe ich dicht an eine Wand, Mikroabstand jetzt nur noch 10 cm …«
Zur Kontrolle müssen die Aufnahmen aber über einen großen Lautsprecher abgehört werden, weil sich die Aufnahmequalität über die Recorder-Lautsprecher oft nicht ausreichend beurteilen lässt.
Regeln fürs Schneiden
Von Alexander Kulpok und Angela Siegel
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Kürzen, säubern oder umstellen. Das will der Radio-Journalist mit dem Schneiden (auch Cutten) erreichen. Selbstverständlich ist die Gestaltung durch den Schnitt eine Form von Wirklichkeitsveränderung, von Manipulation. »Regelgerecht schneiden« muss deshalb immer heißen: dem Sinn und Informationsgehalt des jeweiligen Beitrags entsprechen.
Sinn- und Satzkomplexe herausschneiden oder aneinanderfügen und nicht nur Einzelschnipsel (keine »Wortpuzzle«), das ist eine der Grundregeln des sinnvollen Schneidens. Dafür gibt es drei Gründe:
Erstens ist so am besten sichergestellt, dass die Aussage nicht verfälscht wird (vgl. »Medienrecht für Radioleute«).
Zweitens ist auch der Zeitaufwand viel zu groß, wenn man mal hier und mal da einige Wörter oder Halbsätze herausschneidet und wieder neu zusammensetzt.
Drittens ergibt solche Stückelarbeit keinen Sprachfluss, wirkt also unnatürlich.
Das heißt jedoch nicht, dass nicht in Einzelfällen sehr kurze und unverzichtbare Passagen so geschnitten werden können, wenn es partout nicht anders geht.
Die eigene Audio-Workstation
Von Annette Moll
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Das Arbeiten an der Workstation ist komfortabel: Wer einmal die wichtigsten Abläufe und Regeln für die Anwendung verstanden hat, kann schnell, professionell und unabhängig von Techniker-Teams und Produktionszeiten sendefertige Beiträge produzieren – und zwar nicht nur in den Radiosendern, sondern auch zu Hause. Zum Einstieg reichen gute Computerkenntnisse und das grundlegende Verständnis, wie Aufnahme- und Abspielfunktionen, z.B. bei der eigenen Stereoanlage, funktionieren. Darauf lässt sich gut aufbauen.
(…)
Digitale Schnittprogramme gibt es viele. Im ARD-Hörfunk wird vorwiegend mit DigAS gearbeitet. Der Name steht für »Digitaler Aktualitätenspeicher«, die Software ist eine Entwicklung der Firma DAVID Systems. Teilweise ist auch das Schnitt- und Bearbeitungsprogramm CUTmaster im Gebrauch, vor allem im Privatfunk. Freie Journalisten, die zu Hause oder in Bürogemeinschaften arbeiten, nutzen oft deutlich billigere, aber ebenfalls leistungsfähige Programme wie z.B. Wavelab, CoolEDIT oder Audacity.
→ Tipp: Manchmal werden auch kostenlose Probeversionen angeboten. Eine Recherche im Internet lohnt. Die Zeitschrift »Cut« informiert regelmäßig über technische Neuerungen.
An der Audio-Workstation schneiden und produzieren
Von Annette Moll
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Wie das Einspielen und Bearbeiten von O-Tönen sowie das Produzieren eines fertigen Radiobeitrags funktioniert, wird im Folgenden beispielhaft anhand der DigAS-Software¹ beschrieben. Es geht um Arbeitsabläufe, die im Grundsatz auch für andere Programme gelten.
DigAS bietet drei große Bearbeitungs-Programme:
SingleTrack Editor mit einer Tonspur
EasyTrack Editor mit drei Tonspuren
MultiTrack Editor mit beliebig vielen Tonspuren
Andere Audio-Bearbeitungsprogramme bieten in der Regel ebenfalls eine Mehrspur-Funktion, oft als so genanntes Plug-in (Programmmodul zur Erweiterung der Basis-Software).
Im Studio und mit dem Ü-Wagen produzieren
Von Thomas Peiler
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Für die Übermittlung von Beiträgen, egal, ob live oder vorproduziert, steht eine große Palette von Übertragungswegen und Telekommunikationsgeräten zur Verfügung, die auch der Journalist kennen muss:
(…)
Von zu Hause, aus dem Journalistenbüro oder von unterwegs lassen sich so vom Journalisten Beiträge ins Funkhaus übertragen. Das können fertig produzierte Stücke sein oder Live-Berichte mit oder ohne O-Ton. In der Praxis kann es dabei zu Problemen kommen, wenn die Codecs »sich nicht verstehen«.
(…)
Technik-Investitionen gut überlegen. Die Möglichkeiten der Aufnahme-, Bearbeitungs- und Übertragungstechnik entwickeln sich rasant. Immer neue Geräte oder Software-Lösungen werden angeboten. Manches davon ist noch nicht ausgereift, ist zu kompliziert für den täglichen Dauerbetrieb. Anderes ist noch zu teuer oder zu wartungsanfällig. Wiederum anderes passt schlecht zur Technik in den Radiostationen.
→ Tipp: Vor jeder größeren Anschaffung stets den Rat der Techniker aus dem/den Sender/n einholen, mit denen man am meisten zu tun hat. Oft kennen sie auch günstige Bezugsquellen. Über neue technische Entwicklungen berichtet auch gut verständlich für Nichttechniker die Zeitschrift »Cut« (vgl. »Fachzeitschriften und Informationsdienste«). Über den Deutschen Journalistenverband lassen sich außerdem schnell Kontakte herstellen zu technikerfahrenen Kollegen/innen, die sicherlich gern zu Auskünften bereit sind.
Sendung fahren
Von Stefan Braun
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Aus dem Moderator, der sich allein auf das gesprochene Wort konzentrieren konnte, ist im Lauf der vergangenen Jahre mehr und mehr ein Pilot geworden. Er sitzt in einem Cockpit voller HighTech und fährt seine Sendung ohne Unterstützung selbst. Techniker sind heute zunehmend mit vorbereitenden und abwickelnden Tätigkeiten für das Programm befasst und helfen den Moderatoren während der Sendung nur noch in Notfällen. So sind die Anforderungen an das Technik-Verständnis der Moderatoren einerseits kontinuierlich gestiegen, andererseits erleichtern Digitalisierung und automatisierte Abläufe das Fahren der Sendung enorm.
(…)
Am Selbstfahrerplatz/Diskplatz sitzt oder steht der Moderator vor seinen meist in einem Halbrund angeordneten Geräten. Zentral vor sich hat er die wichtigsten Bedienelemente: im Tisch eingelassen vor allem das Mischpult mit den Reglern (Fadern) zum Aussteuern der einzelnen Tonquellen, in Griffnähe PC-Tastaturen, in Sichthöhe PC-Monitore. Traditionelle Ausspielgeräte (wie z.B. CD-Player) befinden sich eventuell noch außen am Rand seines Sichtfeldes.
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