Kapitel 4: Programme
Formate für Begleitprogramme
Von Hermann Stümpert
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Die Vokabel »Format« – von den Radiomachern heute wie selbstverständlich im Munde geführt – bezeichnet den Typ eines durchgestylten Hörfunkprogramms, der bestimmt wird von
- seiner musikalischen Farbe,
- der Wort-Musik-Mischung,
- den Informationsanteilen und
- der Art der Präsentation.
Bei diesen Inhalten folgen die Formate strengen Regeln, überlassen nichts dem Zufall, um mit dem Programm möglichst genau dem Geschmack der angestrebten Zielgruppe zu entsprechen und es so »durchhörbar« zu machen. Das private wie das öffentlich-rechtliche Begleit-Radio ist weitestgehend formatiert, seitdem sich Ende der 80er Jahre die Erkenntnis durchgesetzt hat, dass sich im Wettbewerb die Programme besser behaupten, die so konzipiert sind.
Formate für Einschaltprogramme
Von Margrit Benecke
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Viel Inhalt, spezielle Inhalte. Die Sendegefäße der Einschaltprogramme enthalten nach wie vor ganz unterschiedliche Ingredienzien – vom Kinderfunk bis zu Foren für Neue Musik, vom Umweltmagazin bis zur Klassik für Kenner. Einschaltprogramme wollen also nicht immer von möglichst allen Hörern ihrer Zielgruppe eingeschaltet werden. Aber wer es tut, der ist als aufmerksamer Zuhörer gefordert. Einschaltprogramme geben sich nicht wie die Begleitprogramme mit dem Nebenbeihörer zufrieden. (…)
Interessante und anspruchsvolle Arbeitsmöglichkeiten für Radio-Journalisten bieten diese wortgeprägten Einschaltprogramme. Wer längere Berichte, Features, Dokumentationen, Diskussionssendungen oder ausführliche Kommentare (vgl. jeweils dort) zu seinem Arbeitsgebiet machen möchte, der wird in solchen Kulturprogrammen die Sendeplätze dafür finden.
Wer sich als Fachjournalist überwiegend bestimmten Themengebieten (egal ob z.B. Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft, Umweltschutz, Kirchenfragen oder Kinderthemen) widmen möchte, hat vor allem dort eine Chance.
Musik-Programme mit dem Computer erstellen
Von Sabine Neu und Axel Buchholz
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Ohne die Hilfe einer Musik-Planungssoftware sind die hohen Anforderungen an die Musik-Zusammenstellung kaum zu verwirklichen. Deshalb werden im privaten wie im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dafür sog. Musikcomputer eingesetzt.
In den Begleitprogrammen und bei Musik-Spartenprogrammen ist das die Regel, zunehmend ebenfalls bei Einschaltprogrammen mit einem hohen Anteil an klassischer Musik.
Der Computer ist aber kein Redakteur, er hilft lediglich dabei, redaktionelle Überlegungen konsequent zu verwirklichen. Auch wenn von Laien immer wieder anderes behauptet wird: Der Computer ist nie Schuld daran, dass, wie es oft heißt, »immer wieder dieselben Titel kommen« oder »immer nur englische«. Wenn es so ist, dann wollen es die Musikredakteure so – oder haben dem Computer die falschen Regeln eingegeben.
Verpackungselemente
Von Werner G. Lengenfelder
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Ein Radioprogramm setzt sich aus vielen Bestandteilen zusammen wie Musik, Moderation, Nachrichten, Beiträgen und Werbung. Die Sender versuchen, ihren Hörern diese Teile schön verpackt wie ein Geschenk zu präsentieren. Dazu benutzen sie Verpackungselemente:
Jingles (ein Oberbegriff für viele Unterformen),
Drop-Ins,
Musikbetten oder
Sound Effekte.
Die Funktion von Verpackungselementen. Sie kündigen Sender, Sendungen und Rubriken an, trennen und verbinden Programmteile, bewerben Frequenzen oder Moderatoren und transportieren Image-Slogans (Claims). Verpackungselemente sollen das Programm gefälliger und wie aus einem Guss klingen lassen. Viele dienen aber auch der Programm-Promotion (vgl. dort). Es gibt eine Vielzahl von Kategorien und Bezeichnungen, von Sender zu Sender gelegentlich unterschiedlich. Hier eine Auswahl von Verpackungselementen in alphabetischer Reihenfolge:
Archive
Von Ulrike Höflein
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Das Archiv als Partner. Sollten Journalisten einmal nicht selbst recherchieren können oder dabei Unterstützung brauchen, finden sie in den Dokumentations- und Archivbereichen kompetente Informationsprofis. Hier wird geholfen, wenn sie z.B. suchen:
- eine Hintergrundmusik,
- einen Artikel aus den »Buffalo News«,
- Experten, die sich eloquent äußern können,
- Töne zum Phänomen der Sonnenfinsternis oder
- Promis, die geizig sind,
- Zeitzeugen, die im Zweiten Weltkrieg Flakhelfer waren,
- Ereignisse, die über die Jahrhunderte am 9. November stattfanden,
- Stimmen für ein Hörspiel und vieles mehr.
Konkrete Vorstellungen beschleunigen das Rechercheergebnis. Aber auch wenn Wünsche noch recht vage sind, helfen die Informationsspezialisten/innen in den Archiven weiter. (…)
→ Tipp: Volontäre werden in die Zusammenarbeit mit dem Archiv systematisch eingeführt. Für Praktikanten und freie Mitarbeiter/innen gibt es dort oft Informationsblätter oder auch gelegentliche Einführungskurse. Es empfiehlt sich sehr, dies zu nutzen.
Medienforschung für den Hörfunk
Von Maria Gerhards und Walter Klingler
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Die Medienforschung ist ein wichtiger Partner für Programmmacher. Medienforschung liefert Daten sowohl für die Programmplanung wie auch für die Programmsteuerung und -optimierung. Der Radio-Journalist muss die wichtigsten Fachbegriffe verstehen, wenn er davon profitieren will. (…)
Die Hördauer z.B. besagt, wie lange alle Bundesbürger bzw. EU-Ausländer im Durchschnitt Radio hören (egal ob der Einzelne überhaupt Radio gehört hat oder nicht). Wer mindestens einmal in einer Viertelstunde gehört hat, wird dabei als Hörer an einem Tag gezählt (Tagesreichweite). (…)
Die Verweildauer gibt an, wie lange die tatsächlichen Radiohörer (Tagesreichweite) an einem Tag durchschnittlich gehört haben. Sie liegt bei 243 Minuten oder rund vier Stunden pro Tag. (…) Dieser Wert wird (ebenso wie die Hördauer) natürlich auch für jedes einzelne Programm ausgewiesen. Er kann dann etwas darüber besagen, wie lange ein Programm die Hörer an sich bindet, wie durchhörbar es ist.
Die Tagesreichweite – eines Programms ist für die Macher der wichtigste Wert in der quantitativen Hörerforschung. Er gibt an, wie viel Prozent der möglichen Hörer (insgesamt oder in einer Zielgruppe) ein Radioprogramm erreicht oder wie viele es in absoluten Zahlen sind.
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