Kapitel 3: Sendungen
Nachrichten
Von Josef Ohler
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Nachrichten sind knapp gefasste Informationen; sie enthalten nichts Überflüssiges. Nachrichten sind besonders glaubwürdig; sie unterscheiden sich grundsätzlich von meinungsbetonten journalistischen Beiträgen. Und Nachrichten sind relativ leicht verständlich; sie sind nach strengen formalen Regeln verfasst. Das gilt nicht nur für Radio-Nachrichten in klassischer Form, also für reine Textmeldungen, sondern auch für Meldungen mit O-Ton, d.h. Meldungen, in die Statements und Kurzberichte eingebaut sind (mehr dazu im Beitrag »Nachrichten-Präsentation«).
Nachrichten-Präsentation
Von Katja Marx
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Wenn die Nachrichten nicht in die Anmutung der Welle eingepasst sind, wirken sie wie ein Fremdkörper: Klassische Nachrichten im starren Fünf-Minuten-Format, mit traditionellen Ortsmarken und einem verlautbarenden Berufssprecher harmonieren nicht mit einem schnellen, frechen, jungen Programm. Ebenso ist eine Newsshow mit O-Tönen, Musikbett und jungem Redakteur am Mikrofon in der anheimelnden Volksmusik-Welle oder im Klassik-Programm am falschen Platz.
Kompaktsendung/Umschau-Sendung
Von Roland Machatschke
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Formale Abwechslung kann stark zur Belebung der Sendung beitragen. Wenn keine inhaltlichen Einwände vorliegen, ist es besser, unterschiedlich gestalteteBeiträge aneinander zu reihen und nicht Kommentar an Kommentar oder Interview an Interview. Solche Gesichtspunkte sollten bereits im redaktionellen Planungsstadium einer Sendung berücksichtigt werden.
Magazin
Von Axel Buchholz
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Live ist für Magazine eine Notwendigkeit, die sich aus dem aktuellen Anspruch ergibt: Noch in letzter Minute muss das Programm geändert werden und mit anderen Beiträgen auf das aktuelle Geschehen reagiert werden können.
Tipp: Wer als Reporter für Magazine arbeiten will, muss unbedingt live-sicher sein. Berichte (meist mit O-Ton oder Interviews), Reportergespräche und auch Reportagen sind gefragte Darstellungsformen.
Feature
Von Ekkehard Kühn
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Im Feature soll der O-Ton nicht pures Dokument, Beweisstück sein, sondern »Material«, Stoff für eine Geschichte, Stoff, wie ihn auch Sachbuch-, mitunter sogar Romanautoren sammeln, um dann daraus »ihr« Buch zu machen. Das Feature präsentiert also nicht nur O-Ton, es verarbeitet ihn, lässt ihn aufgehen in einer Geschichte.
Aber diese Geschichte ist eben kein Hörspiel; der Autor kann sich deshalb auch nicht auf den sog. Kunstvorbehalt (Art. 5 Abs. 3 S. 1 Grundgesetz) berufen; seine Geschichte muss stimmen. Wenn er über Personen oder Sachverhalte Unwahres berichtet, können ihn die Betroffenen verklagen. Er kann nicht sagen, die falsche Information sei eine rein künstlerische Variante.
Dokumentation
Von Helga Kirchner
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Wenn (Dokumentations-)Themen nicht radiophon sind – was dann? Wie lassen sie sich ohne historische Ton-Dokumente akustisch abwechslungsreich vermitteln? In jedem Fall stellen sie an Fantasie und Findigkeit der Autoren besondere Anforderungen, was häufig zu sehr originellen Ansätzen und Formen führt.
Das zeigt das Beispiel über Sébastien Vauban, den Festungsbaumeister Ludwigs XIV. Er hinterließ Bauwerke, jedoch keine O-Töne. Der Autor begnügt sich nicht mit Zitaten aus militär- und sozialgeschichtlichen Studien über den Baumeister, sein Wirken und seine Bedeutung. Er sucht und findet eine nach dessen Plänen erbaute und erhaltene Stadt, besucht sie und lässt sich von einem Führer die Befestigung erklären und erläutern, welche Strategien von Angriff und Verteidigung dem Bauplan zugrunde liegen.
Ein vermeintlich visuelles Thema wird ins Akustische transponiert, die Erklärungen des Stadtführers bilden den roten Faden für die Sendung. Kollege Zufall beschert dem Autor noch Musik zu seinem Thema: das Lied eines Gefangenen, der in einer Vauban-Festung schmachtet und derbe Flüche über deren Erbauer ausstößt.
Diskussion
Von Axel Buchholz
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Diskussionen sind eine Sonderform des Gesprächs, ein Streitgespräch. Sie sollen das relevante Meinungsspektrum zu einem wichtigen Thema dadurch aufzeigen, dass kompetente Vertreter der einzelnen Standpunkte diese in Konkurrenz zueinander vortragen, begründen und gegen Kritik verteidigen. Diskussionen haben das journalistische Ziel, zur Meinungsbildung der Hörer beizutragen, immer über das Diskussionsthema und meist auch über die Diskutanten selbst.
Hörer-Beteiligung
Von Axel Buchholz
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Mit Hörern reden ist etwas ganz anderes als von den Hörern reden. Die anonyme Masse (»die Hörer«) löst sich dabei auf in einzelne Menschen (vgl. Beitrag »Moderatoren-, Reporter- und Hörer-Gespräch«).
Die sind manchmal unsicher, drücken sich unbeholfen aus. Dann muss der Moderator ihnen etwas Hilfestellung geben, aber nicht wie ein Oberlehrer (»Der meint wohl, er hat die Intelligenz für sich gepachtet …«). Andere Hörer sind die geborenen Volksredner. Die muss man unterbrechen. Aber nicht unhöflich (»Wenn man am Radio auch noch zensiert wird …«).
Wieder andere Hörer sind unfreiwillig komisch. Auf deren Kosten darf man keinen Spaß treiben (»Der macht sich über seine Hörer lustig …«).
Es soll auch ganz engagierte Hörer geben mit ganz anderen Meinungen als ganz engagierte Moderatoren. Die darf man nicht vom Gegenteil überzeugen wollen (»Die vom Radio sind die reinsten Wortverdreher …«). Hörer können auch schon mal pampig werden. Sogar zu Radio-Leuten. Die müssen auch dann korrekt und höflich bleiben. Aber auch wiederum nicht zu höflich (»Der schmeißt sich ran …«).
Falls in diesem Abschnitt übrigens etwas Ironie mit im Spiel gewesen sein sollte: Ironie kommt im Interview mit Hörern nicht an, hoffentlich bei Lesern.
Radio-Aktionen
Von Stephan Brünjes
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
(Solche) Radio-Aktionen haben mindestens fünf Wirkungen, wenn sie gut organisiert sind: Erstens sind sie »ein Hinhörer« im eigenen Programm, zweitens berichten oft andere Medien wie Zeitungen und TV-Sender darüber. Beides sorgt drittens dafür, dass Aktion und »anstiftender« Radiosender beim Publikum positiv im Gespräch sind (»Donnerwetter, die tun was«, etwa für die Umwelt oder gegen schläfrige Beamte). Viertens und fünftens können Radio-Aktionen für bessere Profilierung des Programms gegenüber Konkurrenten und eine längere Hördauer sorgen.
Aggressive Action und penetranter Aktionismus sind Auswüchse bei einigen Sendern, die ihre Hörer beispielsweise dazu aufgefordert haben, das eigene Badezimmer mit einer Axt zu zertrümmern oder lustvoll am Telefon um die Wette zu stöhnen und als Preis zwei Striptease-Tänzer in die betriebliche Mittagspause schicken.
Oft genug sind als Preise sechsstellige Summen im Spiel. Redaktionelle Inhalte sind dabei nebensächlich, denn geplant werden solche Aktionen oft von Marketingabteilungen mit nur einem einzigen Ziel: für Schlagzeilen zu sorgen und den Sender ins Gespräch zu bringen, meist während der Reichweiten-Erhebung der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse.
Radio-Spiele
Von Jürgen Köster und Axel Buchholz
(Leseprobe aus dem Econ-Lehrbuch »Radio-Journalismus«, 9. Auflage, Berlin 2009)
Spiele bringen Geld in die Radio-Kasse über sog. »Mehrwerttelefon-Nummern«, bei denen der Hörer bei seinem Mitmach-Anruf einen Aufschlag auf die reinen Telefonkosten bezahlt. Davon werden zwar vom Sender die (meist sehr hohen) Gewinne der Hörer finanziert und häufig auch die Dienstleistungsfirma, die für den Sender das Spiel technisch abwickelt, aber die Summen, die netto in den Senderkassen verbleiben, sind dennoch erheblich. Radio-Spiele sind dadurch für viele Privatsender neben Werbung und Sponsoring zu einer wichtigen Einnahmequelle geworden.
Nachdem immer wieder mal der Verdacht entstand, dass beim Ausspielen der häufig sehr hohen Gewinne nicht immer alles mit rechten Dingen zuging, befassen sich die Landesmedienanstalten als zuständige Kontroll-Organe mit den Regeln und Praktiken.
→ Tipp: In »Richtlinien für Gewinnspiele im Radio« haben die Landesmedienanstalten Regeln zusammengefasst, an die sich die Radio-Sender halten sollten.
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