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Die Nachrichten sprechen

Diese Seite wurde von den Diplom-Sprechwissenschaftlerinnen Antonia Bongartz und Veronika Grandke erstellt. Sie arbeiten unter anderem als freie Journalistinnen beim Mitteldeutschen Rundfunk und als Sprecherzieherinnen. Der Sprecher Thomas Zieler liest Nachrichten bei MDR 1 Radio Sachsen-Anhalt und beim NachrichtenRadio MDR info.

Henriette ist Praktikantin beim Radio, ihr größter Wunsch: Sie will Nachrichtensprecherin werden. Deshalb übt sie, Nachrichtentexte zu lesen. Sie hat einen Termin mit Nachrichtensprecher Rüdiger. Henriette lässt sich ein Manuskript geben, geht mit Rüdiger ins Studio und legt los:

Manuskript

Hinweis: Die Hörbeispiele sind sowohl im MP3- wie auch im rm-Format aufrufbar. Damit Sie sich die Dateien anhören können brauchen sie entweder den Real-Media-Player oder einen beliebigen MP3-Player.

Hier können Sie den Real-Media-Player kostenlos downloaden

Vorbemerkung: In den Beispielen wird jeweils nur ein sprecherisches Merkmal kritisiert. Sprechen ist ein ganzheitlicher Prozess - deshalb können einzelne Merkmale nicht losgelöst von anderen realisiert werden. So wird beispielsweise jemand, der zu laut liest, auch immer mehr Wörter betonen, als jemand, der in angemessner Lautstärke spricht.

1. Versuch: Windows Media Player 260 KB(Windows Media Player) Real Media Player 152 KB (Real Media Player)
Rüdiger: "Das war viel zu schnell! Lass dem Hörer genug Zeit, das Gesagte nicht nur zu hören, sondern auch zu verstehen."

2. Versuch: Windows Media Player 324 KB(Windows Media Player) Real Media Player 182 KB (Real Media Player)
Rüdiger: "Das war viel zu laut! Kein Hörer lässt sich gern anschreien. Sprich nicht lauter als in einem normalen Gespräch."

3. Versuch: Windows Media Player 376 KB(Windows Media Player) Real Media Player 212 KB (Real Media Player)
Rüdiger: "Du hast viel zu viele Wörter betont. Wenn du zu viel betonst, weiß der Hörer nicht, was wirklich wichtig ist. Jeder Gedanke hat nur eine Hauptbetonung. Betont wird immer das Wichtigste, das ist das Neue in jedem Gedanken. Es muss aber nicht immer das letzte Wort sein."

4. Versuch: Windows Media Player 320 KB(Windows Media Player) Real Media Player 182 KB (Real Media Player)
Rüdiger: "Jetzt bist du mit der Stimme immer oben geblieben. Geh am Ende eines Gedankens mit der Stimme runter. Dadurch kannst du dich entspannen und frei atmen. Dem Hörer zeigst du, dass der Gedanke zu Ende ist. Er versteht dann besser und kann dir entspannt zuhören."

5. Versuch: Windows Media Player 388 KB(Windows Media Player) Real Media Player 212 KB (Real Media Player)
Rüdiger: "Diesmal hast du die Pausen an sinnwidrigen Stellen gesetzt. Pausen portionieren den Gedanken in kleinere Sinneinheiten. Was vom Sinn her zusammen gehört, muss auch zusammen gesprochen werden. Bei Pausen, die zwei Gedanken voneinander trennen, darfst du dich kurz entspannen und atmen. Aber nur dann, sonst zerreißt der Spannungsbogen und der Sinn des Gesagten wird nicht deutlich."

Rüdiger wertet Henriettes Leseversuche aus:
"Vorlesen klingt nicht so authentisch wie freies Sprechen. Das liegt daran, dass die Texte ausformuliert sind. Du hast dich dazu verleiten lassen, nicht mitzudenken, ‚nur' abgelesen und versucht, dieses Manko durch eine aufgesetzte Sprechweise zu vertuschen. Ich zeige dir mal, wie ich den Text sprechen würde":
Windows Media Player 344 KB(Windows Media Player) Real Media Player 182 KB (Real Media Player)

Das größte Kompliment, das man einem Sprecher machen kann, ist: "Ich höre dir gern zu!". Gern hört man jemandem zu, den man nicht nur hört, sondern vor allem auch versteht. Jemand wird verstanden, wenn er wie in einem "normalen" Gespräch, also authentisch spricht. Das gilt auch für das Sprechen vor dem Mikrofon!

Ein guter Sprecher:

  • denkt mit beim Sprechen und liest nicht nur ab
  • spricht nicht zu laut (und nicht zu leise)
  • spricht nicht zu schnell (und nicht zu langsam)
  • hat Mut zur Pause und setzt sie an den richtigen Stellen
  • vergibt nur eine Hauptbetonung pro Gedanke
  • geht am Ende eines Gedankens mit der Stimme runter

Jetzt sind Sie dran: Schicken Sie uns eine Aufnahme Ihrer Nachrichten (als MP3-Datei). Wir äußern uns gern dazu.

Literaturtipps:

  • Egon Aderhold und Edith Wolf, Sprecherzieherisches Übungsbuch (13. Auflage, Henschel, Berlin 2002)
  • Egon Aderhold, Sprecherziehung des Schauspielers. Grundlagen und Methoden (5., überarbeitete Auflage, Henschel, Berlin 1998)
  • Vera Balser-Eberle, Sprechtechnisches Übungsbuch. Ein Unterrichtsbehelf aus der Praxis für die Praxis (27. Auflage, ÖBV, Wien 1999)
  • Horst Coblenzer und Franz Muhar, Atem und Stimme. Anleitung zum guten Sprechen (19. Auflage, ÖBV, Wien 2002)
  • Horst Coblenzer, Erfolgreich Sprechen. Fehler und wie man sie vermeidet (4. Auflage, ÖBV, Wien 1999)
  • Duden. Aussprachewörterbuch (4., neubearbeitete Auflage, Duden, Mannheim 2000)
  • Heinz Fiukowski, Sprecherzieherisches Elementarbuch (6. Auflage, Niemeyer, Tübingen 2002)
  • Jörg Jesch, Grundlagen der Sprecherziehung (2. Auflage, de Gruyter, Berlin und New York 1973)
  • Eberhard Stock, Deutsche Intonation (Langenscheidt, Berlin 1996)
  • Stefan Wachtel, Schreiben fürs Hören. Trainingstexte, Regeln und Methoden (2., überarbeitete Auflage, UVK, Konstanz 2002)
  • Stefan Wachtel, Sprechen und Moderieren in Hörfunk und Fernsehen (4. Auflage, UVK, Konstanz 2002)
  • Kerstin Werner, Sprechbildung. Ein Übungsbuch (ÖBV, Wien 1998)
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