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Der Nachrichtenaufbau

Am 26. Dezember gegen 19.00 Uhr wurde hiesiger Dienststelle über Notruf mitgeteilt, dass in Neustadt in der Gerbergasse ein Wohnhaus brennt. Wir trafen zeitgleich mit der Feuerwehr in der Gerbergasse ein. Die Feuerwehr versuchte sofort, den Brand zu löschen. Von Anwohnern wurde in Erfahrung gebracht, dass sich in der brennenden Wohnung noch eine Person aufhalten sollte. Die Feuerwehr betrat mit schwerem Atemschutzgerät das Anwesen und stellte fest, dass die Wohnungsinhaberin - eine 71-jährige gehbehinderte Frau - tot in der Küche lag...Die Wohnung wurde durch den Brand schwer beschädigt.

Das ist ein Originalbericht der Polizei. Kein Nachrichtenredakteur käme auf die Idee, in dieser Form eine Nachricht zu schreiben. Er wird formulieren:

Bei einem Brand in Neustadt ist eine 71-jährige Frau ums Leben gekommen. Nach Angaben der Polizei wurde sie von der Feuerwehr tot in ihrer Küche gefunden. Die Frau war gehbehindert. Die Wohnung der Toten wurde schwer beschädigt. Über die Ursache des Brandes teilte die Polizei noch nichts mit.

"Spiel die höchste Trumpfkarte zuerst aus". Auf diese Formel brachte der amerikanische Journalist und Zeitungswissenschaftler Carl Warren bereits 1934 in seinem Buch "Modern news reporting" seine Lehre vom Nachrichtenschreiben.
Die einfachste Begründung für den Nachrichtenaufbau nach Wertigkeit lautet: Das Wichtigste kommt zuerst. Dann geht es weiter mit den weniger wichtigen Teilen. Das Unwichtigste steht am Schluss. So kann man beim Redigieren am leichtesten kürzen, nämlich von unten. Nach diesem Prinzip liest auch der Zeitungsleser nur die Nachrichten, die ihn interessieren. Der Fernsehzuschauer schaut selektiv und der Radiohörer hört nur dann richtig hin, wenn er mit der jeweiligen Nachricht etwas anfangen kann.
Diesem Wunsch nach Auswahl kommt der Nachrichtenaufbau entgegen. Wenn den Leser schon das Wichtigste der Meldung, also das, was an der Spitze steht, nicht interessiert, kann er gleich zum nächsten Thema springen. Der Radiohörer kann ebenso wie der Fernsehzuschauer kurzfristig weghören, zumindest darf seine Aufmerksamkeit nachlassen.

Ein praxistaugliches Nachrichtenmodell ist das Bausteine-Modell (dazu benötigen sie den Flash-Player). Es veranschaulicht die Grundregel des Nachrichtenaufbaus: Das Wichtigste gehört an die Spitze! Die Bausteine Einzelheiten, Quelle und Hintergrund können flexibel eingesetzt werden.

Damit sind alle Bausteine der Nachricht beisammen:

Der Kern: Was ist das Wichtigste, das Interessanteste, das Neueste? Was will der Leser, Hörer, Zuschauer unbedingt wissen? Was sollte er unbedingt wissen?
Die Einzelheiten: nähere Informationen zum Kern der Nachricht, weitere Fakten.
Die Quelle: in vielen Fällen ein wichtiger Baustein der Nachricht. Nur wenn der Nachrichtenreporter das Ereignis selbst beobachten konnte, also bei eigenem Augenschein, entfällt die Quelle.
Der Hintergrund:

  • eine Vorgeschichte, also Ereignisse, die der neuen Nachricht vorangegangen sind.
  • einen Zusammenhang, d. h. Informationen, die mit dem neuen Ereignis verknüpft sind oder verknüpft sein können und es in eine weitere Dimension stellen.
  • Zusatzinformationen (auch lexikalischer Art), also Fakten, die als Verständnishilfen dienen können, aber auch darüber hinaus interessant sind.
Die W-Fragen helfen dabei, einen Vorgang vollständig zu erfassen:
  • Wer ist beteiligt?
  • Was ist passiert?
  • Wo und wann war es?
  • Wie lief es ab?
  • Warum geschah es?
  • Woher wissen wir das?
Die Flash-Animation wurde erstellt von Peter Zschunke


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