 Radionachrichten
Wir öffnen unser Radionachrichtenarchiv:
Wie haben Radionachrichten früher geklungen?
Hören Sie selbst und vergleichen Sie,
wie sich die Radionachrichten gewandelt haben.
Hinweis: Die Hörbeispiele sind sowohl im MP3- wie auch im rm-Format aufrufbar. Damit Sie sich die Dateien anhören können brauchen sie entweder den Real-Media-Player oder einen beliebigen MP3-Player. Hier können Sie den Real-Media-Player kostenlos downloaden
Wir hätten gern auch Nachrichten aus der Weimar Republik aufgenommen, leider sind aus dieser Zeit keine Nachrichtensendungen mehr vorhanden.
Vorbemerkung: In den Beispielen wird jeweils nur ein sprecherisches
Merkmal kritisiert. Sprechen ist ein ganzheitlicher Prozess - deshalb können einzelne
Merkmale nicht losgelöst von anderen realisiert werden.
So wird beispielsweise jemand, der zu laut liest, auch immer mehr Wörter
betonen, als jemand, der in angemessner Lautstärke spricht.
Hörbeispiel 1:
Deutscher Reichsrundfunk, 6.6.1944:
In der Normandie begann die Landung der alliierten Streitkräfte. Der
Untergang des Reiches stand bevor. Davon war in der Nachricht aber
nichts zu spüren. Kriegspropaganda - das schlimmste Kapitel der deutschen Radionachrichten.
Hörbeispiel 2:
Deutscher Reichsrundfunk, 30.4.1945:
Die Meldung von Hitlers Tod. Hier läuft die Propagandamaschine von
Goebbels noch einmal auf Hochtouren. Für das deutsche Volk gefallen,
bis zum letzten Atemzug gegen den Bolschewismus kämpfend, unser
Führer...
Hörbeispiel 3:
Bayerischer Rundfunk, 1.10.1952:
Nachrichten aus den ersten Jahren der Bundesrepublik. Im Kalten Krieg
stehen sich Ost und West gegenüber und legen jedes Wort auf die
Goldwaage. Wie sonst ist es zu erklären, daß sich der Bayerische
Rundfunk in einer 3-Minuten-Meldung dem Sowjetführer Stalin widmet?
Hörbeispiel 4:
Süddeutscher Rundfunk, Anfang der 50er Jahre
Ein wunderbarer Gongschlag und ein ungewöhnliche Bitte eines Nachrichtenspreches: Es erreichen uns immer wieder Klagen über zu laut eingestellte Rundfunkgeräte. Bitte stellen Sie ihr Gerät auf Zimmerlautstärke!
Hörbeispiel 5:
DDR-Rundfunk, 1.8.1973:
Walter Ulbrichts Tod war natürlich die Spitzenmeldung im DDR-Rundfunk.
Der Nachrichtensprecher kämpft mit den Tränen... und liefert damit einen
höchst hörenswerten Beweis für die Parteilichkeit der DDR-Nachrichten,
für die fehlende Distanz der Redakteure und Nachrichtensprecher.
Hörbeispiel 6:
DDR-Rundfunk, 4.6.1986:
Über die Fortführung der Sozialpolitik sprach... Belanglos, langweilig, uninteressant - und trotzdem der Aufmacher der 5-Uhr-Nachrichten. Wieder ein Lehrbeispiel für das Radio im Dienste der Ideologie.
Hörbeispiel 7:
Süddeutscher Rundfunk, 4.10.1990:
Was der ARD-Sender meldet, bewegt ganz Deutschland und die Welt - die
Wiedervereinigung. Nachrichten über ein historisches Ereignis,
in seiner ganzen Widersprüchlichkeit.
Hörbeispiel 8:
Mitteldeutscher Rundfunk, 27.9.1998:
Die Ära Kohl ist zu Ende. Erstmals in der Bundesrepublik Deutschland
wurde ein Kanzler abgewählt. Die SPD und die Grünen übernehmen gemeinsam
die Macht.
Hörbeispiel 9:
Radio Bremen, 19.10.1992:
Und zum Schluss noch eine außergewöhnliche Nachrichtensendung:
Radionachrichten in plattdeutscher Sprache.
Radiolinks:
http://www.radiopannen.de
Die schönsten Versprecher im Radio.
http://www.radioweb.de
Übersicht über alle deutschen Radiosender.
http://www.radioszene.de
Eine Fundgrube für Radiomacher und Radiofans.
http://www.surfmusik.de
Übersicht über die Radios im Netz. Weltweit.
http://www.dra.de
Das Deutsche Rundfunkarchiv in Frankfurt/ Main.
Radio-Journalismus Ergänzung zum Fachbuch aus der Reihe List Journalistische Praxis
Stilregeln:
In allen Räumen der Dradag, der ersten Nachrichtenredaktion des deutschen Radios,
hing ein Plakat mit der Überschrift: "Stilregeln". Der Autor war der Chefredakteur Dr. Josef Räuscher, der intensiv über das "Schreiben fürs Hören" nachgedacht hat. Seine "Stilregeln" kennen wir, weil sie auch im Geschäftsbericht der Dradag für die Jahre 1928/1929 abgedruckt sind: Schreibe, wie Du, wenn Du hörst, wünschen wirst, bedient zu werden!
Die Sprache ist Verständigungsmittel, nicht Preisrätsel!
Unsere Arbeit wird rascher Klang, nicht bleibendes Schriftbild!
Der Hörer ist nicht Leser, nicht Redakteur, nicht Fachmann!
Der Hörer pfeift auf Amtsdeutsch und Berufsjargon!
Der Hörer ist müde und will leicht verstehen, er hat nur die Ohren zur Verfügung!
Die Hörerschaft setzt sich zusammen aus allen Stämmen, Konfessionen, Ständen, Parteien und Bildungsschichten!
Das Urteil über die Fassungskraft des Hörers hat sich zu richten nach den naivsten Hörern!
Wer am Wortlaut der Rohdepesche klebt, ist Briefträger, nicht Redakteur!
Nur was man sich selbst völlig klar gemacht hat, kann man einfach und klar wiedergeben!
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