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Zeitungen

Zur Pressenachricht

Johann Heinrich Zedler klagte 1749 in seinem "Universallexikon":

Doch die Zeiten sind zuweilen gantz unfruchtbar an großen Neuigkeiten, und man weiß weder von Schlachten, und Scharmützeln, noch von Belagerungen und anderen kriegerischen Begebenheiten zu reden.
Aber zu so unfruchtbarer Zeit sollte der Zeitungs-Schreiber lieber mit seinen Blättern zu Hause bleiben.Denn wenn nichts vorgefallen ist, das verdiente angemerckt zu werden, warum dringt er denn der Welt seine Blätter auf, in welchen nur merckwürdige Vorfälle aufgezeichnet werden.
So müssen die Zeitungs-Schreiber freylich alles zusammen raffen, was ihnen vor die Hände kommt.

Bis heute müssen sich "Zeitungs-Schreiber" den äußeren Bedingungen anpassen. Die Zeitungen haben auf das veränderte Leserverhalten reagiert. Ein Zeitungsleser beschäftigt sich durchschnittlich 24 Minuten am Tag mit seinem Blatt. Das heißt, er wählt aus dem großen Angebot aus oder bricht die Lektüre eines Artikels ab. Zugleich sind die Leseransprüche an Verständlichkeit, optische Aufmachung und Unterhaltungswert gestiegen. Daher sind die Texte kürzer geworden, die Seiten bunter, Sprache und Stilformen lockerer. Das Ziel ist aber unverändert: Dem Leser den Lauf der Welt zu erklären durch Vertiefung der knappen Erstinformation aus den schnelleren audiovisuellen Medien, durch Transparenz, durch Lesernähe und Glaubwürdigkeit. Zugleich will die Zeitung unterhalten - auch durch Nachrichten. Denn Printmedien müssen sich auf dem freien Markt behaupten.

Die Pressenachricht befreit sich dabei aus ihrem formalen Korsett. Sie kommt zwar oft noch klassisch streng und schlank daher, immer häufiger aber auch füllig und farbig, je nach Art des Blattes und je nach Wichtigkeit der Information. Ob überregionale, regionale oder lokale Zeitung, ob Abonnements- oder Boulevardblatt - jede sucht ihr unverwechselbares publizistisches Profil und will damit Leser an sich binden.

Weg vom Agenturmaterial, hin zur Eigenproduktion ! Das ist der Trend. Und sei es auch nur, dass der Nachrichtenredakteur die Agenturmeldung komplett umschreibt. Gute Zeitungen legen Wert darauf, möglichst viele Beiträge vollständig selbst zu produzieren und so ihr Image zu stärken. Exklusivnachrichten sind erwünscht, Zusatzrecherchen gehören zum Job. Die publizistische Grundhaltung - etwa konservativ-christlich, wirtschaftsfreundlich oder links-liberal arbeitnehmerfreundlich - ist dem Leser vertraut. Er rechnet damit, dass sie auch Einfluss darauf hat, wie in Nachrichten die Schwerpunkte gesetzt werden. So kommt es, dass selbst an einem Tag, an dem ein Thema von allen Zeitungen für gleichermaßen wichtig gehalten wird, der Aufmacher dazu recht unterschiedlich aussehen kann:

Merkel lästert über Schröders Trippelschritte ("Der Spiegel")
Merkel "SPD nähert sich in Trippelschritten der Realität"
("Süddeutsche Zeitung")

Die Pressenachricht ist nicht flüchtig. Sie läuft dem Leser nicht davon. Der Leser kann sie sich mitnehmen und die Zeit, die er auf sie verwenden will, selbst bestimmen, ebenso wie das Lesetempo. Dennoch muss die Nachricht auf Anhieb verständlich sein. Niemand will gezwungen sein, sie zwei- oder dreimal zu lesen. Keine Unklarheit, kein Sprachholperer soll den Leser aufhalten oder zum Abbrechen veranlassen. Wie in den anderen Medien gelten deshalb die Grundregeln des Nachrichtenaufbaus auch für die klassische Zeitungsnachricht.

Weiterführende Webseiten:

Unter http://www.newseum.org gibt es u.a. eine
tagesaktuelle Übersicht über internationale Zeitungscover

Einführung in den praktischen Journalismus

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