Golfkrieg 3.ZUS
Einwohner von Bagdad plündern Regierungsgebäude –
Dritte Zusammenfassung (neu: Einzelheiten zu Plünderungen)
Utl: Kasernen und Behördengebäude gestürmt – Luftangriffe auf Bagdad eingeschränkt – Außenministertreffen in Paris
Bagdad (AP) In Bagdad mehren sich die Zeichen für einen Zusammenbruch des Regimes von Saddam Hussein. Vier Tage nach dem ersten Vorstoß von US-Truppen in die irakische Hauptstadt zogen in mehreren Stadtteilen Gruppen von Bewohnern durch die Straßen. Sie drangen in Kasernen, Behördengebäude und Forschungsinstitute ein und plünderten die Einrichtung.
In der Palästina-Straße im Stadtzentrum wurden am Mittwoch Lagerhäuser des Handelsministeriums ausgeraubt. Auf einer anderen Straße zog ein Mann mittleren Alters einen Schuh aus und schlug damit auf ein Plakat mit dem Bild von Saddam Hussein ein. "Das ist die Freiheit", sagte er. "Das ist der Verbrecher, der Ungläubige! Er hat Millionen von uns umgebracht." In den Straßen war keine Präsenz von irakischen Polizisten oder Soldaten zu erkennen.
An anderen Plätzen riefen Einwohner, sie unterstützten die USA. Ein Teil der Einwohner bewaffnete sich. Jugendliche von 15 oder 16 Jahren zogen mit Kalaschnikow-Gewehren durch die Straßen. Vereinzelt fielen Schüsse. Autofahrer und Fußgänger liefen in Panik davon.
In der Nacht zum Mittwoch schränkten die Kampfflugzeuge der Alliierten ihre Luftangriffe auf Bagdad ein. Die US-Streitkräfte wollen vermeiden, dass die eigenen Soldaten in Bagdad zu Schaden kommen. Es sei ein gutes Zeichen, dass keine Bomben mehr abgeworfen werden sollen, sagte ein amerikanischer Kampfpilot auf dem Flugzeugträger "USS Kitty Hawk".
Der Schwerpunkt der Gefechte lag nach US-Angaben im Südosten von Bagdad. Dort kämpften sich Marine-Infanteristen ins Zentrum vor, um sich mit Truppen der 3. Infanteriedivision zu verbinden. Dabei trafen sie einen Tag nach der Besetzung des Militärflugplatzes Raschid im Osten von Bagdad immer wieder auf den Widerstand von Heckenschützen, die sich in Häusern verschanzt haben. Eine US-Einheit griff irakische Kämpfer in einer Kaserne der Republikanischen Garde an. Andere Truppen entdeckten eine unterirdische Wohnanlage mit zwölf Räumen, ausgestattet mit weißen Marmorböden und Leuchten.
Wie viele Einwohner in den vier Tagen seit Beginn der amerikanischen Vorstöße nach Bagdad ums Leben gekommen sind, ist unbekannt. Zahllose Menschen wurden in Krankenhäuser eingeliefert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte, dass die Kliniken kaum noch das erforderliche Material hätten, um Wirbelsäulenbrüche, Verbrennungen und Schrapnell-Wunden zu behandeln.
Der irakische Staatschef Saddam Hussein überlebte offenbar auch den zweiten gezielten Bombenangriff der USA, wie aus Geheimdienstkreisen verlautete. Möglicherweise habe Saddam Hussein das Restaurant durch einen Tunnel oder mit dem Auto verlassen. Aus den Trümmern von drei zerstörten Gebäuden wurden bisher drei Tote geborgen - ein älterer Mann, ein kleiner Junge und eine 20-jährige Frau.
Amerikanische Spezialtruppen suchten nahe der irakischen Stadt Tikrit nach zwei abgestürzten Piloten eines F-15-Kampfjets. Das Flugzeug wird seit der Nacht zum Sonntag vermisst, wie ein Sprecher des US-Oberkommandos in Katar am Mittwoch mitteilte. Es sei unklar, ob das Kampfflugzeug abgeschossen wurde. Tikrit ist die Geburtsstadt von Saddam Hussein und gilt als Hochburg seiner Anhänger.
In Paris traf am Mittwoch der britische Außenminister Jack Straw mit seinem französischen Kollegen Dominique de Villepin zusammen, um über die Pläne für eine Nachkriegsordnung in Irak zu sprechen. Am Vortag hatten sich US-Präsident George W. Bush und der britische Premierminister Tony Blair dafür ausgesprochen, den Vereinten Nationen eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Nachkriegszeit zu überlassen.
Im Norden Iraks nahmen US-Spezialeinheiten
zusammen mit kurdischen Kämpfern eine Gebirgsregion nordöstlich von Mossul ein. Der Sprecher der Demokratischen Partei Kurdistans,
Hoschjar Sebari, sprach
von den bisher wichtigsten Geländegewinn für die
Kurden. Sebari erklärte, die kurdischen Kämpfer
stimmten ihr weiteres Vorgehen mit dem Pentagon ab.
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