Golfkrieg/Bagdad KORR.

Die Menschen in Bagdad feiern das Ende von Saddam Hussein

Utl: Volksfeststimmung bei Ankunft von US-Truppen - Regierungsgebäude geplündert (Bild:WXS202)

Von AP-Korrespondent Chris Tomlinson =

Bagdad (AP) Jahrzehntelange Unterdrückung hat am Mittwoch in Belgrad ausgelassener Volksfeststimmung und Plünderungen Platz gemacht. Überall in der irakischen Hauptstadt tanzen Einwohner auf den Straßen, schwenken Fahnen oder Palmwedel und feiern das Ende der Herrschaft von Saddam Hussein. Den Zusammenbruch des Regimes dokumentieren nicht nur die amerikanischen Panzer und Soldaten in fast allen Stadtteilen. Am frühen Abend wird eine überdimensionale Statue des Herrschers auf dem El-Fardos-Platz niedergerissen.

Die Not von drei Kriegswochen, aber auch die Entbehrung all der Krisenjahre machen sich Luft in Plünderungen. Große Menschenscharen ziehen schon am Morgen durch die Straßen, stürmen Regierungsgebäude und Forschungsinstitute, lassen ihrer Wut auf das Regime von Saddam Hussein freien Lauf.

Irakische Soldaten, Polizisten oder Milizionäre sind nirgends zu sehen. Niemand greift ein, als die Menge die Zentrale der Verkehrspolizei, Lagerhäuser des Handelsministeriums und das Gebäude des Nationalen Olympischen Komitees stürmt. Ihre Beute sind Computer, Bücherregale, Tische, Fernseher, Kühlschränke, Deckenventilatoren, Matratzen und Telefone - alles, was irgendwie mitgeschleppt werden kann. Aus einem Buchladen rauben zwei junge Männer mit Goldeinband verzierte Ausgaben des Korans. Einige Häuser werden in Brand gesetzt, darunter auch das Haus des Präsidentensohnes Odai.

Die enthusiastische Menge jubelt den Panzerkolonnen der US-Truppen zu. Mütter heben ihre Babys den Soldaten auf den Panzern hoch - sie sollen sie küssen.

Vor dem Ministerium der Ölindustrie klettert ein Mann auf eine andere Saddam-Hussein-Statue, setzt sich auf die Schultern des Herrschers und schlägt mit einer Steinplatte auf den Kopf ein. Andere hauen mit ihren Schuhen auf die steinerne Verkörperung der Macht.

In Saddam City, dem Armenviertel im Nordosten von Bagdad, jubeln hunderte von Irakern den US-Truppen zu. "Danke, Mister Bush", ruft ein Mann. Eine andere Gruppe zerstört ein riesiges Porträt von Saddam Hussein. "Das ist für den Verbrecher", erklärt ein Mann. "Wir wissen, was er dem Land angetan hat."

Andere Stimmen sind nur verhalten zu hören. "Immerhin ist Irak unser Land", sagt der 50-jährige Arbeiter Kassim el Schamari. "Und was ist mit all den Frauen und Kindern, die im Bombardement getötet wurden?"

In einigen Vierteln wird weiter geschossen. Kleine Gruppen unorganisierter Kämpfer greifen aus ihren Häuserverstecken die hochgerüsteten US-Truppen an. Der größte Teil der Soldaten von Saddam Husseins Republikanischer Garde soll desertiert sein.

Am Palestine Hotel, dem Sitz der internationalen Presse, ist nichts zu sehen von Informationsminister Mohammed Said el Sahhaf, der an all den Tagen zuvor immer wieder die Meldungen vom Vormarsch der US-Truppen bestritten hat. Auch die vom Regime gestellten Aufpasser für die Journalisten sind verschwunden. Stattdessen tauchen am frühen Nachmittag die Panzer von Marine-Infanteristen auf, die von Südosten her durch die Stadt gerollt sind.

Nur der staatliche Rundfunk ist noch auf Sendung, spielt patriotische Lieder und Auszüge aus Reden von Saddam Hussein. In Bagdad aber hört ihm niemand mehr zu.
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