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Die Geschichte der Fotografie

Der Wunsch, einen Augenblick, ein Geschehen abzubilden und unabhängig von Zeit und Erinnerungsvermögen zu bannen, ist alt. Wer über die Geschichte der Fotografie nachdenkt, kommt nicht umhin, sich mit psychologischen Ansätzen und frühesten menschlichen Gestaltungsformen wie etwa der Höhlenmalerei zu beschäftigen. Wer hingegen die technologischen Bedingungen in den Mittelpunkt stellt, nennt zuerst die Camera Obscura, einen dunklen Raum, in den nur durch ein winziges Loch Licht fällt. Das Licht projiziert dabei ein spiegelverkehrtes Abbild der Außenwelt auf die dem Loch gegenüberliegende Fläche. Ein Prinzip, das der Fotografie, dem "Schreiben mit Licht", bis heute zugrunde liegt. Ein Prinzip auch, das bereits Aristoteles in einer seiner Schriften erklärt und Künstler wie Leonardo da Vinci dazu benutzten, naturgetreue Bilder zu malen. Im 16. Jahrhundert gewinnen die Projektionen der Camera Obscura durch die Erfindung der optischen Linse, die man in das Loch einsetzt, an Schärfe. Im 17. Jahrhundert entstehen die ersten transportablen Camera-Obscura-Kästen, quasi die Vorläufer heutiger Fotoapparate.

Das erste Foto der Welt und die Daguerrotypie

Bereits im 18. Jahrhundert ist bekannt, dass sich chemische Substanzen durch den Einfall von Sonnenlicht verfärben. Erst um 1826 jedoch gelingt es dem Franzosen Joseph Nicéphore Nièpce, mit einer Camera Obscura und einer Belichtungszeit von acht Stunden das erste nachweisbare Foto der Welt zu erzeugen. Das Bild - den Blick aus seinem Arbeitszimmer - bannt Nièpce auf einer mit Asphalt beschichteten Zinkplatte, die an den Stellen aushärtet und sich verfärbt, auf die das Licht trifft.

Jahre später gelingt es dem Theatermaler Louis Jaques Mandé Daguerre, die Belichtungszeit auf einige Minuten zu reduzieren, indem er mit Jodsilber beschichtete Platten vor dem Fotografieren mit Quecksilber bedampft. Das Fotografieren wird damit und dank der ersten Objektive von Voigtländer und Petzval in Ansätzen massentauglich: Während sich die Malerei Ausdrucksformen wie dem Impressionismus zu- und damit von Techniken zur möglichst realistischen Darstellung abwendet, begeistern sich wohlhabende Schichten zunehmend für die so genannte Daguerrotypie. Da diese sehr teuer ist und die Fotos im Nachhinein nicht reproduzierbar sind, stößt das Verfahren aber bald an seine Grenzen. Erst als es dem Engländer William Henry Fox Tablot um 1835 gelingt, Mehrfachabzüge herzustellen, setzt sich der Siegeszug der Fotografie in den darauffolgenden Jahrzehnten fort. Begünstigt wird dieser durch den politischen und sozialen Aufschwung des sich entwickelnden Bürgertums, dessen Mitglieder in der Porträtfotografie zusehends eine Ausdrucksform für ihr wachsendes Selbstbewusstsein finden.

Die neue Sicht auf die Dinge und der Rollfilm

Eine Brownie, eine einfach zu bedienende Boxkamera für Rollfilme

Die folgenden Jahre sind geprägt von Verbesserungen des fotografischen Verfahrens. Immer mehr lichtempfindliche Silbersalze werden entdeckt, immer bessere Objektive entwickelt; die Belichtungszeiten verkürzen sich drastisch. Die Fotografie gewährt zudem völlig neue Einblicke in das Leben. 1887 zum Beispiel beweist eine Bildfolge des Engländers Eadweard Muybridge, dass ein Pferd im Galopp für einen kurzen Augenblick alle vier Beine in der Luft hat. Auch die Kunst entdeckt das Fotografieren für sich. Mit den so genannten "Composite Prints" entstehen Drucke, in denen verschiedene Negative übereinander gelegt und zu einem neuen Bild arrangiert werden, eine Technik, die als Vorläufer der Fotomontage gilt. Weiter beginnt sich ab Ende des 19. Jahrhunderts die Bildberichterstattung in Zeitungen zu etablieren.

Mit der 1888 von George Eastman, einem der Mitbegründer Kodaks, entwickelten Rollfilmkamera Kodak Nr. 1 wird die Fotografie endgültig zum Massenmarkt. Fotoplatten, die nach jedem Bild gewechselt werden müssen, gehören jetzt der Vergangenheit an. Ein papierbasierter Rollfilm ermöglicht mehrere Aufnahmen hintereinander und ist in der 25 Dollar teuren Kodak Nr. 1 ab Werk eingelegt. Der Clou: Ist der Film voll, schickt der Besitzer die Kamera an Kodak, um wenig später die Abzüge und eine mit einem frischen Film bestückte Kamera zurückzuerhalten.

Kleinbildkameras und die Welt in Farbe

Mit der Einführung des Rollfilms wird das Aufnahmematerial zunehmend kompakter. Eine immer höhere Lichtempfindlichkeit der Filme macht in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zudem die Herstellung von Kleinbildkameras möglich. Sie erschließen dank ihrer einfachen Handhabung und ihres handlichen Formats immer größere Märkte für die Fotografie.

Um 1915 entwirft Oskar Barnack, Entwicklungsleiter bei den Optischen Werken Ernst Leitz in Wetzlar, den Urtyp dieser Fotoapparate. Wegen des Ersten Weltkriegs kommt er allerdings erst 1925 auf den Markt. Die Leica (Leitz Camera) ist eine Sucherkamera und hat ein Objektiv mit 50 Millimetern
Brennweite, ein Standrad, der sich über Jahre hinweg hält und hundertfach kopiert wird.

1936 schließlich wird die Welt der Fotografie bunt: Agfa und Kodak bringen die ersten Farbfilme auf den Markt. Spätestens jetzt kann jeder von seinem Umfeld wirklichkeitsgetreue Abbilder für die Ewigkeit, wenigstens für die Zeit seines Lebens, anfertigen.