Herr Birkner, Sie sind seit dem Jahr 2000 fest angestellter Text- und Bildjournalist bei der "Neuen Presse" Coburg. Warum haben Sie sich für diesen Berufsweg entschieden?
Der Berufswunsch stand bei mir schon früh fest. Ich habe bereits in meiner Schulzeit viel geschrieben und fotografiert. Während dem Studium habe ich hauptsächlich für das Radio gearbeitet. Nach dem Studium habe ich bei der "Neuen Presse" Coburg eine Redakteursstelle in Teilzeit bekommen, wo ich seither zu gleichen Teilen als Text- und Bildjournalist tätig bin.
Über welche Fähigkeiten und Eigenschaften muss ein Bildjournalist verfügen, damit er sich auf dem Markt behaupten kann? Und gibt es einen "Königsweg" zu diesem Beruf?
Er muss sich grundlegende journalistische Eigenschaften erarbeitet haben: Ein Bildjournalist muss neugierig sein. Er muss nach neuen Themen, neuen Blickwinkeln und Perspektiven suchen. Er muss wissen, dass er seine Bilder für die Leser macht - durch seine Fotos werden den Menschen die Themen und Geschichten näher gebracht.
Einen "Königsweg" zu diesem Beruf gibt es nicht. Natürlich sollte man über sehr gute Fotografiekenntnisse verfügen, aber ob man sich diese über einen klassischen Weg einer Berufsausbildung oder über ein Studium aneignet, ist letztlich egal. Man muss die Menschen mögen, nicht seine Ausrüstung.
Wie müssen Fotos für den heutigen Bildermarkt aussehen? Was ist aktuell bei den Tageszeitungen gefragt?
Mehr denn je muss die Bildsprache emotional, aber nicht reisserisch sein. Die Fotos müssen den Leser "packen" und neugierig machen, was natürlich immer schwerer wird. Der Bildjournalist muss noch näher an die Menschen ran! Ein Foto von einem geschäftigen Marktplatz beispielsweise reicht für eine Tageszeitung heute nicht mehr aus. Man muss einen Marktbesucher ablichten und ihn direkt nach seiner Meinung fragen.
Was für eine Ausrüstung braucht ein Bildjournalist, um seinen Beruf ausüben zu können?
Ich arbeite als fest angestellter Journalist, deswegen kann ich nicht für die Freiberufler sprechen. Was die Computertechnik angeht, habe ich alles Nötige in meiner Redaktion. Das Foto-Zubehör habe ich mir selbst gekauft. Ich fotografiere mit einer Canon EOS 1D Digitalkamera. Sehr wichtig sind qualitative Objektive, ein Normal- und ein Weitwinkelblitz, Ersatz-Akkus und Speicherkarten. Das Equipment sollte vor allem robust sein! Wenn man beispielsweise im Winter draußen arbeitet oder bei strömendem Regen eine Delegation begleitet, sollte die Kamera auch funktionieren.
Führen Sie ein eigenes Fotoarchiv oder eine Datenbank?
Meine Fotografien sind in der Datenbank meiner Redaktion gespeichert. Zur Sicherheit habe ich sämtliche Bilder auch zu Hause in meinem privaten Archiv angelegt.
Was sind die Schwerpunkte Ihrer bildjournalistischen Arbeit?
Ich arbeite bei einer Tageszeitung im Ressort "Lokales". Die Schwerpunkte meiner Arbeit als Text- und Bildjournalist liegen bei den Menschen vor Ort im Landkreis Coburg. Viele große Themen wie Schul- und Bildungspolitik finden auch im kleinen Rahmen statt. Da unterscheide ich nicht zwischen Text- und Bildjournalismus. Beides gehört für mich zusammen.
Wie sieht ein gewöhnlicher Arbeitstag bei Ihnen aus?
So etwas wie Alltag gibt es nicht. Bei mir ist jeder Tag anders. Wenn ich beispielsweise zu einer Stadtratsitzung gehe, mache ich mir Gedanken, was für Fotos ich von welchen Befragten machen werde. Ich nehme den Termin wahr, suche danach die besten Bilder aus, schreibe Bildunterschriften und den Text. Darüber hinaus fallen zwischen den Terminen ständig neue Arbeiten an: Leserfragen und -wünsche, das Redigieren von Texten freier Mitarbeiter, Korrektur lesen und vieles mehr.
Bei den von mir selbst gewählten Themen entwickle ich mit der Redaktionsleitung, der Marketing- und Technikabteilung neue Ideen und Konzepte, die ich dann mit Hilfe meiner Kollegen umsetze. Manchmal sitze ich tagelang nur am Schreibtisch, an anderen Tagen bin ich permanent auf Achse.
Wie entstehen ihre Fotos für die Tagespresse und wie suchen Sie Ihre Motive aus?
Wenn ich ein vorgegebenes Thema von der Redaktion bekomme, wie beispielsweise einen Eintrag ins "Goldene Buch", ist es offensichtlich, welche Motive abgelichtet werden müssen: der Ehrengast, der Bürgermeister. Bei Themen, die ich mir selbst aussuche, entwickle ich sofort ein Konzept im Kopf, zum Beispiel bei der Kommunalwahl: Wen will ich ansprechen? Welche Kommunalpolitiker, Wähler und Wahlhelfer müssen ins Blatt? Werden es Porträts oder Aktionsbilder? Gestellte Bilder bemerkt der Leser sofort, die Menschen sollten in Aktion fotografiert werden. Die Bilder müssen sprechen.
Was schätzen Sie an Ihrem Beruf?
Ich schätze die Vielseitigkeit meiner Arbeit. Ich mag die Nähe zu den Menschen, zu meinen Lesern. Als Journalist versuche ich, meinen Job professionell zu machen. Das bedeutet, dass ich mir jeden Tag durch qualitativ hochwertige Bilder und Texte das Wohlwollen und das Abo-Geld meiner Leser aufs Neue verdienen muss.
Wie sehen Sie die Konkurrenz von Bildagenturen zu Ihrer Arbeit?
Die Fotografien der Bildagenturen sind für mich keine Konkurrenz. Ich arbeite im Ressort "Lokales", brauche also Bilder von Menschen vor Ort. Wenn ich über das Thema "Waldsterben" berichte, wollen meine Leser die Bilder und die Meinungen von dem Förster, dem Spaziergänger und dem Jogger vor Ort. Die kann nur der lokale Fotojournalist liefern. Bildagenturen kommen nur für überregionale Themen in Frage.
Haben Sie als fest angestellter Journalist Möglichkeiten für einen Nebenerwerb?
Ich teile mir mit meiner Frau eine Vollzeit-Redakteursstelle bei der Neuen Presse Coburg. Das ist ideal, da wir so mehr Zeit für unsere drei Kinder haben. Da ich fest angestellt bin, darf ich nichts in Bereichen verdienen, die meinen Hauptberuf beeinflussen, etwa für die Konkurrenz arbeiten. Ich nutze aber die Möglichkeit, um bei der Journalistenakademie München Kurse zum Thema "Bildjournalismus" zu geben und in der Schüler- und Erwachsenenbildung Seminare im Themenfeld Medien anzubieten.
Wie hat sich die Arbeit des Bildjournalisten in den letzten fünf Jahren verändert?
Der Leser will immer weniger ruhige, statische Bilder. Stattdessen will er Fotos mit Menschen und mit viel Aktion. Früher hatte man auf einer Seite drei oder vier gleich große Bilder. Heute wählt man eher ein großes Foto als Aufmacher aus und setzt drei kleine Bilder weiter unten an. Auch der Arbeitsumfang ist gewachsen: Früher habe ich von einer Veranstaltung ein Bild für die Zeitung benutzt, heute kommen zusätzlich 20 ins Internet, wenn die Veranstaltung das hergibt.
Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten für Bildjournalisten aus? Und welche Entwicklungen erwarten sie?
Es wird auf lange Sicht immer weniger "reine" Bildjournalisten geben. Die Auftraggeber werden von dem Journalisten sowohl den Text als auch das Bild anfordern. Wer fotografieren, aber noch keine vernünftigen Texte schreiben kann, sollte sich das aneignen. Vielseitigkeit ist gefragt. Der Bildjournalist muss zum "Allrounder" werden!
Die Verlage werden den Druck weiter erhöhen, damit Ihnen die Journalisten sämtliche Medienformen für das gleiche Geld liefern. Von einer Veranstaltung wird der Journalist künftig nicht nur den Text und die Fotos liefern, sondern vielleicht sogar ein Video, das online gestellt werden kann. Ich glaube, dass es bei den Verlagen noch weitere Einsparungen bei den Festangestellten geben wird. Wer als freier Journalist ausschließlich auf Bilder setzt, braucht heute schon zusätzliche Aufträge aus der Wirtschaft oder Events wie Hochzeiten, um davon leben zu können.