
Bildjournalismus beschreibt zwei Berufsbilder: den Bildredakteur und den Fotoreporter.
Der Fotoreporter ist ständig im Außeneinsatz draußen in der Welt und versucht, nicht selten unter Lebensgefahr, einer Situation, einem Krieg, einer Preisverleihung oder einem Event das entscheidende, aussagekräftigste Foto abzuringen.
Der Bildredakteur sitzt als Konzeptionierer, kreativer Planer, Organisator und Verwalter überwiegend im Büro. Er recherchiert in Bild-Datenbanken, Archiven, bei Bildagenturen, Verbänden und Firmen oder beauftragt professionelle Agenturen mit der Suche. Er vergibt Aufträge an Fotografen, neue Bilder zu schießen. Er "brieft" sie mit einer detaillierten Beschreibung von Bildthematik und -ästhetik. Nur so hat er die Chance, die gewünschte Auswahl an Bildern zu bekommen.

Die Recherche von Aufnahmeorten für eine Fotosession, die Kostenplanung für die gesamte Produktion, das Klären von Nutzungsrechten und Honorarverhandlungen können ebenso zu seinen Tätigkeiten gehören.
Für dieses Berufsbild gibt es keinen geregelten Ausbildungsweg. Meistens sind es Fotografen oder Journalisten, die ihr Handwerkszeug mit dem des jeweils anderen verbinden und so zum Fotojournalisten oder Bildredakteur werden. Viele Fotojournalisten sind Journalisten, die ihre Spezialisierung aufgeben, weil ihre Auftraggeber fordern, dass sie neben Texten auch Bilder produzieren.
Fotojournalisten - spezialisierte ebenso wie nicht spezialisierte - brauchen beim Ausüben Ihrer Tätigkeit vor allem fotografisches und journalistisches Gespür, Kreativität beim Finden und Realisieren visueller Ideen und einen sicheren Blick für Ästhetik und Qualität von Bildern. Wer in diesem Beruf Erfolg haben will, braucht Durchsetzungsfähigkeit, Fremdsprachenkenntnisse, Stressresistenz, Belastbarkeit und sehr gute System- und Internetkenntnisse.
Der Bildjournalist / Fotoreporter ist abhängig von der Technik. Damit sieht er sich nicht nur mit dem Problem eines unablässigen Lernprozesses hinsichtlich des eigenen Könnens und der Arbeitsweise konfrontiert.
Dem rasanten Fortschreiten der Technik muss er auch sein Berufsverständnis stets aufs Neue anpassen. Immer neue digitale Modifikationsmöglichkeiten entstehen. Dass es möglich ist, Gesichter spurlos auszutauschen oder zusätzliche Personen in ein Bild einzusetzen, hat weit reichende Folgen für die Glaubwürdigkeit des Fotojournalismus. Die Information, die ein Bild von einer Situation transportiert, kann gänzlich falsch sein.
Der Bildredakteur kann Bilder kaufen, ohne die Veränderungen zu bemerken und damit Fehlinformationen an die Öffentlichkeit weiterleiten. Die Ethik des Bildjournalismus steht seitdem in Frage. Die Seriosität und Glaubwürdigkeit wiederherzustellen, ist für Bildjournalisten und Fotoreporter heute wichtiger als jemals zuvor.
Eine weitere Herausforderung stellt die Schnelligkeit dar, die durch die fortschreitende Technik möglich wurde. Bilder werden heute binnen weniger Sekunden digital übertragen und ins Internet hochgeladen. Längst geht es nicht mehr darum, wer das beste Bild bringt, sondern, wer das beste Bild am schnellsten bringt.
Dies setzt Fotografen und Agenturen gleichermaßen unter Druck. Eric Bach, Inhaber der Pressebild-Agentur "Superbild", beschreibt den rasenden Wettkampf so: "Der Tag hat 86.400 Sekunden und die verlorene Zeit wird nicht gut geschrieben."
Um Fotojournalisten und Bildredakteure auf diese neuen Entwicklungen vorzubereiten, läuft in Magdeburg mit dem Wintersemester 2008/09 der neue Studiengang "Bildjournalismus" an. Er bereitet Fotojournalisten und Bildredakteure professionell auf Bilderstellung, Bildverarbeitung und Bildvermarktung vor.
Auf Aktualität der Information und Nähe zum Berufsalltag wird größter Wert gelegt. Der Studiengang sieht sich als Reaktion auf den steigenden Bedarf an bildgestützten Medienprodukten und die erhöhten Anforderungen an multimediale Produktion und Verwertung. Er wurde mit Fachleuten aus der Medienbranche entwickelt, die auch in der Lehre mitwirken.
Die meisten Fotojournalisten arbeiten als Freiberufler und haben sich zum besseren Schutz ihrer Rechte Gewerkschaften wie der DJU oder dem DJV, Berufsverbänden oder Arbeitskreisen angeschlossen, die sich im 20. Jahrhunderts gegründet haben.
Einer der wichtigsten Berufsverbände wurde 1995 von 128 Fotojournalisten gegründet: Freelens. Der Verband kämpft für bessere Arbeitsbedingungen von Fotografen und setzt sich auf menschlicher, politischer und kultureller Ebene für Fotografen ein. Freelens übernimmt für Fotojournalisten Vertragsverhandlungen mit Verlagen und veranstaltet Workshops und Vorträge zu rechtlichen Themen.
Mit erfolgreichen Prozessen vor dem Bundesgerichtshof und dem Kammergericht Berlin erzielte Freelens für Fotografen die eindeutige Rechtsklärung hinsichtlich Veröffentlichungen auf CD-Rom und im Internet.