Wer ist der Mann, der den Berufsalltag des Bildjournalismus mit seinen Regeln und Gesetzmäßigkeiten festgehalten hat? Welche Beweggründe stecken hinter der Entstehung seines Buches? Und welche Informationen sind ihm wichtig? Ein Kurzinterview mit Rolf Sachsse verrät mehr als eine lange Beschreibung.
Hungrig nach Bildern: "Bildjournalismus ist eine sportliche Sache" sagt Prof. Dr. Rolf Sachsse. Schnell reagieren müsse ein Bildjournalist, er müsse weltoffen sein und neugierig. "Richtig gierig im Sinne des Wortes. Bildjournalisten sind Gourmands, keine Gourmets, sie fressen die Welt, schlingen sie herunter. Das sind Bildtiere."
Ein Leben für den Bildjournalismus: Sachsse verlässt sein Büro kaum jemals ohne eine Kamera. 50 bis 100 Bilder schießt er jeden Tag. Und das, obwohl seine Arbeit seit 2004, seit er Professor für Designgeschichte und Designtheorie an der HBKsaar in Saarbrücken wurde, sich nur noch mit Theorie befasst. Ein halbes Leben, das man bildjournalistisch verbracht hat, hinterlässt eben seine Spuren. 15 Jahre war Sachsse "selbstständiger Allrounder", später von 1985 bis 2004 Professor für Fotografie an der Hochschule Niederrhein in Krefeld. Aus dieser langen praktischen Erfahrung und Leidenschaft ist das Buch "Bildjournalismus heute" hervorgegangen.
Jugend gewinnen: "Ich bin mit Leib und Seele Pauker", sagt Sachsse. "Mit Vergnügen und auch mit Erfolg. Und ich bin lästig, aber Lehrer müssen jungen Leuten immer lästig sein." Sein Rat an junge Menschen, die sich mit der Veröffentlichung von Bildern beschäftigen möchten: "Präzise sehen und präzise umsetzen." Der Blick aufs Bild bleibt gleich, trotz aller Veränderungen des Berufs und des Bildergebrauchs im Zuge der Digitalisierung.
Kein Vorzeigetyp: Im Buch gibt es keine Fotografien und der Autor sieht seine eigenen Werke auch nicht gerne veröffentlicht: "Jeder muss sich seine Vorbilder selbst beschaffen oder meinetwegen vorstellen."